Die Schweizer Aufsicht öffnet Bitcoin einen historischen Weg
Am 20. Oktober hat die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA offiziell den ersten Spot-Bitcoin-ETF der Schweiz für Privatanleger zugelassen.
Klingt vielleicht unspektakulär? Nur keine Eile – entscheidend sind die Details.
Erstens handelt es sich um einen „echten Fonds“ und nicht um ein „echtes ETP“. Die Schweizer Börse SIX hatte bereits 2018 Krypto-ETPs gelistet, und Bitcoin-Produkte gab es auf dem Markt schon lange zuhauf. Diese ETPs sind rechtlich jedoch Schuldverschreibungen. Das neue Produkt hingegen ist ein reguläres kollektives Anlagevehikel nach Schweizer Fondsgesetz und wird als „übriger alternativer Anlagefonds“ eingestuft. Damit unterliegt es einem umfassenden Regelwerk zu Verwahrung, Risikomanagement und Offenlegung. Zum ersten Mal gibt es in der Schweiz eine solche Bitcoin-Fondsstruktur für Privatanleger.
Zweitens hat die FINMA eine ganz besondere Ausnahmegenehmigung erteilt. Nach den üblichen Vorschriften des Fondsgesetzes müssen Fonds ihre Anlagen diversifizieren. Dieser Fonds darf jedoch zu 100 Prozent in einem einzigen Vermögenswert, Bitcoin, investiert sein. Die Begründung der Aufsicht ist klar: Bitcoins lange Handelshistorie und sein hohes Handelsvolumen rechtfertigten eine Ausnahme. Die offizielle Botschaft in der Sprache der Regulierung lautet damit: Bitcoin ist nicht mehr dasselbe wie früher.
Drittens wurden weder Emittent noch Gebühren, Börsenkürzel oder Börsennotierungstermin bekannt gegeben. Man kann also noch nicht einfach Anteile kaufen – bislang wurde nur der Weg dafür freigemacht, das Produkt selbst ist noch nicht am Markt.
Das Interessanteste daran ist meiner Meinung nach nicht, dass die Schweiz jetzt einen Bitcoin-ETF hat, sondern das Signal. US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs haben bereits den Großteil der zusätzlichen institutionellen Nachfrage abgeschöpft. Doch nachdem die Schweiz nun den Zugang über das „Fondsrecht für Privatanleger“ geöffnet hat, können Schweizer Banken und Anlageberater Bitcoin-Produkte ganz offiziell an normale Privatanleger verkaufen. Nicht zu vergessen: Die FINMA hat außerdem mitgeteilt, dass andere Emittenten bereits ähnliche Anträge eingereicht oder angekündigt haben. Die Konkurrenz steht also unmittelbar bevor.
Natürlich hat die FINMA auch einen Dämpfer gesetzt: Eine Zulassung bedeutet nicht, dass das Produkt risikoarm ist. Die Aufsicht betont ausdrücklich, dass ETF-Anleger wegen der starken Kursschwankungen weiterhin erhebliche Teile ihres Kapitals verlieren können. Die Fondsunterlagen müssen die Risiken klar erläutern, und beim Vertrieb ist eine Eignungsprüfung erforderlich. Die Hülle ist reguliert – der Inhalt bleibt hochvolatil.
Der Spot-Bitcoin-Kurs bewegt sich derzeit seitwärts um die Marke von 81.000 US-Dollar. US-amerikanische ETFs verzeichneten vor wenigen Tagen an einem einzigen Tag noch Nettozuflüsse von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Könnte dieser Schritt der Schweiz der Startschuss für die nächste Welle regulierter Kapitalzuflüsse sein?
Was glaubt ihr: Zieht als Nächstes ein einheitliches Produkt der EU nach, oder haben die USA ihren First-Mover-Vorteil inzwischen weitgehend ausgeschöpft?
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Dies stellt keine Anlageberatung dar. DYOR – der Handel ist mit Risiken verbunden.