Musk hat an einem Tag fast 80 Milliarden Dollar seines Vermögens verloren. Nach den Zwischenwahlen sind bei Tesla und SpaceX zusammen mehr als 400 Milliarden Dollar an Börsenwert verpufft. Unter einem einschlägigen Post antwortete er nur mit einem „Wow“. Seinen Wahlkampf-Post „Heute rot wählen“ hat er nach der Wahl auch stillschweigend gelöscht.
Tesla schloss gestern Abend mit einem Minus von fast 11 Prozent, heute Abend legte die Aktie im vorbörslichen Handel um etwas mehr als 2 Prozent zu. Die Nachrichten aus dem eigenen Haus fallen allerdings eher kühl aus: Musk sagte, dass die Produktion des Cybertruck Mitte nächsten Jahres in der Gigafactory in Texas eingestellt und die Fertigungslinie für den Cybercab freigemacht werde. Seit seiner Markteinführung gab es bei dem Wagen abwechselnd Rückrufe, Qualitätsprobleme und Preissenkungen – und nun läuft es also auf einen Produktionsstopp hinaus. Heute Abend kommen außerdem noch die US-Arbeitsmarktdaten. Die dürften die Märkte wohl wieder durcheinanderwirbeln.
Micron schloss gestern Abend mit einem Minus von 17,46 Prozent bei etwas über 650 Dollar. Heute Nachmittag kam dann die Nachricht, dass das neue Werk in Taoyuan im Wert von 4,5 Milliarden Dollar doch nicht gebaut wird. Die Lohnverhandlungen mit der Gewerkschaft sind festgefahren – man konnte sich weder bei den Gehältern noch bei der Gewinnbeteiligung einigen.
Die Preise steigen jedoch weiter. TrendForce zufolge sollen die Vertragspreise für PC-DRAM im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal nochmals um 13 bis 18 Prozent zulegen. Analysten gehen außerdem davon aus, dass HBM weiter teurer wird und die Speicherhersteller im vierten Quartal einen Rekordumsatz erzielen können. Die Aktie stürzt so stark ab, aber die Preise steigen weiter – der Markt glaubt wohl nicht daran, dass dieser Zyklus noch lange anhält. Dass das Werk stillsteht und die Preise trotzdem steigen, wirkt irgendwie widersprüchlich.
Der südkoreanische KOSPI fiel heute Morgen zeitweise um 8 Prozent und löste damit direkt einen Handelsstopp aus. Der Handel war eine Weile ausgesetzt. Die südkoreanische Regierung hielt am Vormittag eine Krisensitzung ab, um den Markt zu stabilisieren. Dabei setzte sie die Anforderungen an die Sicherheiten für Wertpapierkredite der Broker für drei Monate aus. Außerdem kündigte sie weitere Maßnahmen an, falls die Schwankungen noch zunehmen sollten.
Nach der Meldung erholte sich der Index und der Verlust verringerte sich von 8 auf 3,5 Prozent. Auch Samsung und SK Hynix machten einen Großteil ihrer starken Verluste wieder wett, liegen aber noch deutlich unter ihren Höchstständen vom Juni. Ob die Kombination aus Handelsstopp und Rettungsmaßnahmen den Markt stützen kann, wird sich wohl heute Abend bei der Börseneröffnung in den USA zeigen, haha.
Der Nasdaq fiel gestern um 5,52 %, Nvidia gab erneut 9 % nach und rutschte offiziell in einen technischen Bärenmarkt – vom Höchststand aus gerechnet liegt die Aktie 24 % im Minus. Heute Morgen drehten die Futures auf US-Aktien im nachbörslichen Handel ins Plus, die Nasdaq-Futures legten 1 % zu. Speicherchip-Aktien wie Micron und SanDisk haben sich als Erste wieder aufgerappelt. In Asien werden dagegen weiter Verluste realisiert: Der ChiNext-Index eröffnete direkt deutlich tiefer. Dieselben KI-Anlagen, zwei Zeitzonen, zwei Preise – das wirkt schon ziemlich surreal, oder?
Ob es eine Erholung oder nur ein Dead-Cat-Bounce ist, wird das Handelsvolumen in der ersten halben Stunde nach der Eröffnung heute Abend zeigen. Bei dem Absturz gestern waren die Spuren von Zwangsliquidierungen gehebelter Positionen allzu deutlich. Eine echte Erholung braucht wohl mehr als nur einen Tag.
OpenAI hat gestern ein Modell vorgestellt, das gezielt nach Schwachstellen sucht: GPT-6 Cyber. Es kann Schwachstellen aufspüren, Penetrationstests durchführen und Code prüfen. Zunächst wird es einer kleinen Gruppe von Kunden mit Daybreak-Red-Berechtigung zur Verfügung gestellt. Es lässt sich sowohl über die API als auch mit Codex nutzen, aber der Zugang ist ziemlich eingeschränkt.
Am interessantesten ist die eigene Risikoeinstufung des Modells: Im Bereich Cybersicherheit wurde es direkt als kritisch eingestuft – die höchste Stufe. Ein Modell, das Kunden beim Aufspüren von Schwachstellen hilft, wird vom eigenen Unternehmen zuerst als eine der gefährlichsten Arten von Technologie eingestuft. Das wirkt schon ein bisschen widersprüchlich. Aber Angriff und Verteidigung lassen sich eben nicht so einfach voneinander trennen.
Sicherheitsaktien haben sich dieses Jahr bisher ziemlich gut gehalten. Gestern erwischte es sie mit dem Gesamtmarkt aber auch: CrowdStrike und Palo Alto verloren an einem Tag fast 10 Prozent und damit mehr als der Index. Wie viel davon auf die Angst vor diesem Modell zurückzuführen ist, lässt sich kaum sagen. Aber der Zeitpunkt ist schon verdammt passend.
AMD lag vorbörslich noch 6 % im Plus, zum Handelsschluss waren davon nur 1 % übrig. Die Aktie steht bei über 480. Der Geschäftsbereich Rechenzentren erzielte im Quartal 8,5 Milliarden US-Dollar – doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Auch die Prognose von 17 Milliarden US-Dollar für das vierte Quartal lag über den Erwartungen. Die Bruttomarge von 55 % lag jedoch um einige Zehntelprozentpunkte unter den Erwartungen. Die Zahlen waren nicht schlecht, aber die Aktie konnte ihre Gewinne nicht halten. Wer dem Kurs hinterhergejagt ist, dürfte sich jetzt wohl ziemlich ärgern.
Qualcomm schloss mit einem Plus von 5 %. Im Handelsverlauf kündigte SpaceX an, für das Kernnetz von Starlink die Technologie des Unternehmens zu nutzen. Nachbörslich kamen die Quartalszahlen heraus, und die Aktie fiel um 5 %. Die Umsatzprognose für das nächste Quartal liegt bei 10 bis etwas über 11 Milliarden, der Mittelwert beim Gewinn je Aktie gerade einmal bei 2,30 – im Wesentlichen im Rahmen der Erwartungen. Auf der Kostenseite setzen zudem die steigenden Speicherchippreise zu. An einem einzigen Tag haben Bullen und Bären also jeweils eine Halbzeit gewonnen, haha.
Speicher- und Glasfaserwerte wurden am härtesten getroffen: Seagate verlor 8 Prozent, SanDisk und Micron rund 7 Prozent, Western Digital fast 7 Prozent, CoreWeave 9 Prozent und der Philadelphia Semiconductor Index 3 Prozent. Nachdem die Demokraten beide Kammern erobert hatten, begann der Markt, den Ausbau von Rechenzentren neu zu bewerten. Genehmigungen und Widerstand aus der Bevölkerung rückten dabei in den Fokus – und die Unternehmen, die Rechenleistungsausrüstung liefern, bekamen als Erste die volle Wucht zu spüren. An dem Tag legte der Dow um 1.500 Punkte zu, hier gab es nicht einmal eine Gegenbewegung.
Der Dow Jones legte über Nacht um mehr als 1.500 Punkte zu, ein Plus von 3 Prozent. Die Demokraten haben beide Kammern des Kongresses gewonnen. Das Kapital wandert von KI-Hardware zu den großen Plattformunternehmen: Microsoft stieg um fast 7 Prozent auf über 550 Dollar und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Die Marktkapitalisierung liegt bei 4,1 Billionen Dollar. Am selben Tag fiel Nvidia um 3 Prozent – im selben Index eine völlig gegensätzliche Entwicklung, haha.