Auf den Märkten für Staatsanleihen passiert gerade etwas ziemlich Wildes, über das niemand spricht.

Der Renditeabstand zwischen US-amerikanischen und chinesischen Staatsanleihen ist auf historische Werte gestiegen. Im Vergleich zu China kann sich Amerika praktisch kostenlos Geld leihen.

Die meisten denken, dabei gehe es nur um die Fed gegen die PBOC, die Vorherrschaft des Dollars oder die Flucht in sichere Anlagen. Doch dahinter steckt eine tiefere Frage:

Preist der Anleihemarkt still und leise einen grundlegenden Wandel der globalen Machtverhältnisse ein?

Betrachtet man die Kreditaufschläge von Staaten über Jahrzehnte hinweg, sind sie nicht bloß Wirtschaftsindikatoren – sie sind geopolitische Gradmesser. Sie zeigen, wo Kapital sich am sichersten fühlt, wo die Rechtsstaatlichkeit am stärksten ist und wo die Institutionen am stabilsten sind.

Im Moment signalisiert dieser Abstand laut und deutlich, dass das globale Kapital die USA trotz all des Geredes über Amerikas Niedergang immer noch als unerschütterliche Hegemonialmacht sieht.

China hat das Wirtschaftswachstum, die industrielle Basis und die Ambitionen der Neuen Seidenstraße. Aber Anleihemärkte interessieren sich nicht für Erzählungen. Sie fragen: Bekomme ich mein Geld zurück? Ändern sich die Regeln über Nacht? Ist das Eigentumsrecht unantastbar?

Der Abstand sagt: Wir vertrauen Washington mehr als Peking. Und zwar deutlich.

Es geht hier nicht um kurzfristige Zinspolitik. Es geht darum, in welchem Land man sein Vermögen über Generationen hinweg anlegen würde, wenn man sich für die nächsten 30 Jahre auf ein einziges Land festlegen müsste.

Die Märkte haben sich bei geopolitischen Machtverschiebungen schon früher als treffsicher erwiesen – oft Jahre, bevor die Schlagzeilen nachzogen.

Also ja, vielleicht weiß der Anleihemarkt bereits etwas, worüber die Denkfabriken noch debattieren.