An der Anhörung im Kongress am 14. Juli sagt Waller vor den Medien der ganzen Welt:
„Das Komitee hat keine Toleranz für anhaltend hohe Inflation.“
Wer soll mir das mal übersetzen, übersetzen!
Wie zum Teufel nennt man das „Nulltoleranz“! Was zum Teufel, das nennt man also „Nulltoleranz“ – verdammt nochmal!
Und die Inflation liegt jetzt schon fünf Jahre lang über zwei Prozent?
Wenn ihr bei der Inflation Nulltoleranz meint, dann müsste Waller in diesem Monat erhöhen!
Aber wird Waller wirklich erhöhen?
Keine Zinserhöhung – weil die Wirtschaft das nicht aushält.
Keine Zinssenkung – weil die Inflation noch nicht runter ist.
Sehr wahrscheinlich wird weder erhöht noch gesenkt, aber das ist keine Nulltoleranz, das ist Null Aktion.
Als er dem Kongress „keine Toleranz“ sagt, denkt die ganze Welt, er wolle Volcker werden.
Er ist am Ende Powell 2.0 geworden: Reden sind härter als bei Powell, aber das Vorgehen noch weicher.
Powell hat wenigstens so lange erhöht, bis er bei 5,5% gestoppt hat.
Waller hört bei 3,5% auf und sagt dir dann: „Nulltoleranz“.
Nulltoleranz übersetzt heißt: Ich mache nichts, aber ich gebe mit dem Mund nicht auf.
Wenn der Vorsitzende der Fed spricht wie ein furz – welche Konsequenzen hat das?
Erstens: Inflationserwartungen entkoppeln sich. Die 5Y/5Y Forward Breakevens liegen schon bei 2,3% – der Markt glaubt nicht, dass du auf 2% zurückkommst.
Volcker hat den Anker mit 20%-Zinsen in den Stein geschweißt, Powell hat ihn gelockert – Waller hat ihn direkt abgezogen.
Zweitens: Niemand traut sich, fürs lange Ende zu kaufen.
30Y bei 5% wird nicht von den Inflationserwartungen getrieben, sondern von der „Prämie mangelnden Vertrauens in die Notenbank“.
Du sagst Nulltoleranz, aber keine Zinserhöhung – warum soll ich mir also 5% für dreißig Jahre sichern? 6%, 7%, bis du handelst.
Drittens: Der Dollar lebt von Vertrauen. Globale Notenbanken halten 60% ihrer Devisenreserven in Dollar – nicht weil sie Amerika lieben, sondern weil sie darauf vertrauen, dass die Fed im Notfall alles tut, um die Kaufkraft zu sichern. Du zeigst, dass du das nicht schützt – dann beginnt dieses Vertrauen zu zerbröseln.
Viertens: Die Zinsen fressen alles auf.
Die Zinsen der Bundesverschuldung liegen bereits über dem Verteidigungsbudget, 1,5 Billionen. Wenn das lange Ende noch einen weiteren Kreditabschlag bekommt, schießen die Zinsen Richtung 2 Billionen: Zinsen, um Zinsen zu bezahlen – die Schulden-Spirale hat den Startschuss bekommen.
Volcker hat mit einer großen Rezession das Vertrauen für dreißig Jahre eingetauscht.
Waller hat mit einem einzigen Satz „Nulltoleranz“ in sieben Sitzungen alles verbrannt.
Und was holt sich Waller denn raus, wenn er nicht erhöht und nicht senkt?
Keine Zinserhöhung – weil die Wirtschaft das nicht aushält.
Keine Zinssenkung – weil die Inflation noch nicht runter ist.
An beiden Enden dicht. Der Markt liest drei Worte: Es ist aus mit uns.
Zuerst bewegt sich der Rentenmarkt.
Renditen 30-jähriger Staatsanleihen bei 5%: Wenn man nichts macht, bestätigt man, dass die Fed nicht mal die Courage hat, weiter zu erhöhen – der Kreditabschlag fürs lange Ende weitet sich weiter aus.
Nicht die Inflationserwartungen treiben es, sondern dass „die Notenbank unfähig ist“ eingepreist wird.
Der Aktienmarkt hat es am schwersten.
Taubenwartend hält die Richtung offen – keine Zinssenkung = nicht den Nenner lockern, keine Zinserhöhung = heißt, dass sie kein Vertrauen in die Wirtschaft haben, auch der Zähler ist wacklig.
Sobald die Stagnations-und-Inflations-Erzählung (Stagflation) steht, hält die Nasdaq den 38,2%-Fibonacci-Punkt nicht durch.
Der Dollar stützt sich kurzfristig – mittelfristig ist es eine Bombe.
Adler-Rhetorik verlängert dem kurzfristigen Zinsdifferenzial das Leben.
Aber der Markt ist nicht dumm: Nachdem er drei Monate lang „Nulltoleranz“ gesagt und keinen einzigen Schuss abgegeben hat, ist das Vertrauens-Discounting in der Gehaltsform der Wechselkurse nur noch eine Frage der Zeit.
Ein Satz: Der Markt will nicht „halten“, er will eine Richtung.
Waller gibt keine Richtung vor – dann sucht sich der Markt seine Richtung selbst, und zwar nach unten.
