Erst als ich auf dem Aave-Governance-Forum zu dieser Vorlage stieß, sah ich wirklich, wie TBV für den Anschluss an Aave V4 konkret entworfen ist – und es unterscheidet sich ziemlich von dem abstrakten Ablauf, den ich zuvor verstanden hatte.

Vorgeschlagen werden zwei neue Spokes: Einer heißt „Babylon Core Lending Spoke“ und ist zuständig für das Verleihen von Mitteln, der andere heißt „BTC Vault Swap Spoke“ und übernimmt speziell die Abwicklung nach erfolgter Liquidation. Dabei werden die BTC der Nutzer in einem Taproot-UTXO im Bitcoin-Netzwerk gesperrt.

Von Anfang bis Ende verlässt es die Bitcoin-Kette nicht. Auf der Ethereum-Seite wird stattdessen ein Token namens „vaultBTC“ erzeugt. Dieser Token ist so konzipiert, dass er nur eingeschränkt übertragbar ist: Er kann nur zwischen Whitelist-Adressen zirkulieren und nicht einfach von irgendjemandem für Trades verwendet werden.

Die Liquidations-Logik finde ich ziemlich clever: Beim Liquidieren können Liquidatoren die Abwicklung sofort mit WBTC durchführen, ohne auf „Bis“ in der Bitc…-Kette zu warten.

Danach kümmern sich Arbitrageure erst um die eigentliche Bitcoin-Rückabwicklung. So werden die schnelle Liquidation und die endgültige On-Chain-Abwicklung entkoppelt; die Geschwindigkeit wird nicht durch die Blockzeit von Bitcoin ausgebremst.

In einem Kommentar im Governance-Forum wird eine Zahl genannt: Derzeit hat das Babylon-Protokoll native gestakete Mittel in Höhe von ungefähr 52.000 BTC im Wert von 4 Milliarden US-Dollar – das entspricht fast der Hälfte der gesamten WBTC-Gesamtversorgung. Gleichzeitig hält Aave selbst eine WBTC-Versorgung im Wert von etwa 2,5 Milliarden US-Dollar.

Auf der Ausleihseite wird das aber seit Jahren nicht ausreichend genutzt. Der Vorschlag zielt im Kern darauf ab, diesen Teil der brachliegenden WBTC-Nachfrage zu aktivieren. Der gesamte Prozess läuft zuerst über die ARFC-Phase, um Risikoparameter und die Liste der Herausforderer festzulegen.

Anschließend geht es in die AIP-Phase für die formelle Abstimmung. Das Aave DAO behält dabei die volle Kontrolle über die Risikoparameter der Spokes, über Pausen- und Freeze-Entscheidungen sowie über das Listing – die Governance-Zuständigkeiten sind sehr klar voneinander getrennt.

Ich finde, dass diese Designidee viel konkreter ist als nur „keine Vertrauensannahme nötig“: Dass die Übertragung von vaultBTC eingeschränkt ist, zeigt im Detail, dass das Team einen Trade-off zwischen Sicherheit und Flexibilität vorgenommen hat. Es handelt sich also nicht um einen bedingungslos offenen Token. Weniger auf die groß beworbenen Größenordnungen schauen – mehr auf die konkreten Risikoparameter achten, die in der ARFC-Phase veröffentlicht werden.

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