
In der ersten Hälfte 2026 importierten die Länder der Europäischen Union eine Rekordmenge an verflüssigtem Erdgas (LNG) aus der russischen Anlage „Yamal LNG“. Darüber berichtet am Montag, dem 13. Juli, die Financial Times (FT) unter Berufung auf Daten des Analyseunternehmens Kpler.
Nach Berechnungen von Analysten kauften die EU-Länder in den vergangenen sechs Monaten 9,89 Millionen Tonnen LNG vom Unternehmen. Das sind 18% mehr als in demselben Zeitraum im vergangenen Jahr. Die deutsche Nichtregierungsorganisation Urgewald schätzt den Wert des gekauften Gases auf etwa sechs Milliarden Euro. Die wichtigsten Abnehmer von russischem LNG waren Frankreich, Belgien und Spanien.
Wie die FT schreibt, tritt ab dem 1. Januar 2027 ein vollständiges Verbot für den Import von russischem LNG über langfristige Verträge in Kraft. Die EU hat bereits Käufe über kurzfristige Verträge verboten. Das Verbot für Lieferungen von Pipeline-Gas aus Russland in die EU tritt ebenfalls 2027 in Kraft.
„Yamal LNG“ ist vom europäischen Markt abhängig
Der europäische Markt bleibt für „Yamal LNG“ von entscheidender Bedeutung, weil das Unternehmen von einer kleinen Flotte spezialisierter Tanker der Eis-Arc7-Klasse abhängig ist, so die FT. Für diese ist der Weg nach Europa mit keinen großen Risiken verbunden. In Häfen in Frankreich und Dänemark werden sie zudem repariert und technisch gewartet.
„Yamal LNG“ ist ein Gemeinschaftsunternehmen des russischen „Nowatek“ (es hält die Kontrollbeteiligung), des französischen Total, der China National Petroleum and Gas Corporation und des chinesischen Seidenstraßen-Fonds.
Nach Beginn der großangelegten Invasion Russlands in die Ukraine hielt Total zwar seinen Anteil am Projekt, doch in dem Unternehmen geht man davon aus, dass man es nach Inkrafttreten von Sanktionen verlassen müsse, die Importe von LNG aus Russland in die EU verbieten, wie die FT berichtet.
Im März 2026 sagte der russische Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak, dass die Lieferungen nach dem Verbot von russischem LNG-Importen nach Europa in „befreundete Länder“ in Asien umgeleitet würden. Allerdings gehen Schätzungen der Analysten von Kpler zufolge die Lieferungen von „Yamal LNG“ nach Asien zurück. In den ersten sechs Monaten 2026 sanken sie um 74% auf etwa 510.000 Tonnen.