Mein Freund hat mir letzte Woche geschrieben, halb lachend und halb wütend: „Da steht, ich hätte mein Ticket-Limit erreicht, und ich habe buchstäblich nur eins gekauft.“ Sie wollte neun Plätze für ihre große Familie buchen, aber beim Checkout wurde ihre Buchung ständig abgelehnt.

Der Übeltäter war ein alter Browser-Tab: voller Warenkorb, aber nie ausgecheckt. Er hielt immer noch eine Reservierung, die gegen ihr Limit angerechnet wurde, als wäre es ein echter Sitzplatz.

Positionsgrößen-Limits bei Exchanges haben dieselbe blinde Stelle. Eine Order, die noch nicht ausgefüllt wurde, kann wie eine bereits bestehende Exposures behandelt werden.

Bei GRVT funktioniert die Positionsobergrenze wie der Phantom-Warenkorb meines Freundes. Jedes Instrument hat eine „Maximum Position Size“, eine Obergrenze, die unabhängig von der hinterlegten Sicherheit ist.

Um das zu prüfen, nimmt GRVT deine „Open Position Size“ – eine signierte Zahl: positiv für Long und negativ für Short – und addiert dann jede offene Buy-Order zur Long-Gesamtsumme und jede offene Sell-Order zur Short-Gesamtsumme.

Welcher Gesamtwert größer ist, wird gegen die „Maximum Position Size“ geprüft. Eine ruhende Order, die noch nicht gehandelt wurde, wird bereits so gezählt, als hätte sie gehandelt.

Selbstkritik: Das bedeutet, dass ein Trader, der mehrere ruhende Limit-Orders ausführt (eine normale Vorgehensweise, um in eine Position hineinzubauen), die Obergrenze mit einer Größe „hochbumpen“ kann, die möglicherweise nie gefüllt wird. Kündigt man den Großteil dieser Orders, ist die Obergrenze sofort wieder frei.

Das ist dieselbe Lücke wie bei der Ticket-Reservierung: eine Buchung ohne Ablauf, nicht von einem abgeschlossenen Kauf zu unterscheiden.

Die naheliegende Verteidigung lautet, dass jede ruhende Order im nächsten Tick gefüllt werden könnte, also ist die Einrechnung als potenzielles Exposure nur konservierteres Risikomanagement. Fair – aber das gilt, egal ob die Obergrenze echte Fill-Wahrscheinlichkeiten abbildet oder ob schlicht jede Order als sicher gefüllt behandelt wird, und die Dokumentation sagt nie, was davon zutrifft.

Dieser Unterschied ist wichtiger als die Mathematik. Die eine Version ist ein kalibrierter Puffer, die andere eine stumpfe Regel, die zufällig meistens funktioniert.

$GRVT sollte danach bewertet werden, ob diese Obergrenze auf reale Fill-Wahrscheinlichkeiten kalibriert ist oder ob es nur eine starre Regel ist, die als Risikomanagement „verkleidet“ wurde – nicht danach, ob die Formel leicht nachzuvollziehen ist.

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