In den letzten Tagen habe ich immer wieder den Blog von @grvt_io durchgeblättert. Dabei taucht ein Begriff besonders häufig auf: „Capital Productivity“. Anfangs habe ich das eigentlich nicht groß ernst genommen. Ich dachte mir: Ist das nicht eher ein Marketingbegriff? Setzt sich eine Börse am Ende nicht aus Liquidität, Gebühren und Handelsgeschwindigkeit zusammen? Ein Handelssystem, das ständig von Kapitalproduktivität spricht – das klingt irgendwie nicht nach dem, was man von einer Börse erwarten würde.

Als ich das erste Mal One Balance und Unified Margin gesehen habe, habe ich es daher immer in Richtung Erlebnisoptimierung interpretiert. Später habe ich dann ein paar Blogbeiträge zusammengelegt und noch einmal komplett neu gelesen. Eigentlich wollte ich nur verstehen, welches Problem Unified Margin überhaupt löst – doch je mehr ich gelesen habe, desto seltsamer kam es mir vor.

Offiziell wurde die Handelsgeschwindigkeit so gut wie gar nicht diskutiert, und auch die ganze Zeit wurde nicht besonders betont, dass es sich um eine Hybrid Exchange handelt. Stattdessen wurde immer wieder Capital Productivity genannt, dazu Capital Drag – inklusive des späteren Yield Layer. Im Grunde ging die Diskussion durchgehend um genau dasselbe Thema.

Erst in dem Moment habe ich gemerkt, dass ich es anfangs vielleicht falsch verstanden habe. GRVT scheint die ganze Zeit eine andere Frage zu stellen: Warum kann ein Kapital nur eine einzige Verwendungsart erfüllen? Erst hier habe ich verstanden, warum das offizielle Messaging so sehr Capital Drag betont. Das, was möglicherweise „verschwendet“ wird, ist nicht die Handelsgeschwindigkeit – sondern der Prozess, bei dem Kapital ständig warten, migrieren und neu konfiguriert werden muss.

Später habe ich dann noch einmal One Balance, Unified Margin und Yield Layer betrachtet. Plötzlich erschien es mir, als wären das drei verschiedene Funktionen – dabei antworten sie eigentlich alle darauf, ob es möglich ist, dass dieselbe Kapitalmenge nicht jedes Mal anhält, sobald man die Zweckbestimmung wechselt.

Wenn ich jetzt also nochmal zurückblicke, wirkt es für mich so, als ob GRVT das eigentlich nicht als „Börse“ neu aufbauen will. Es stellt eher eine Herausforderung für eine Art Standardgewohnheit dar, die im Finanzsystem kaum jemand infrage stellt: Warum muss das Kapital, sobald es eine Aufgabe abgeschlossen hat, diese Phase erst beenden, um dann mit der nächsten weitermachen zu können?

Zumindest neige ich heute immer mehr zu folgender Sicht: Was GRVT wirklich bewahren will, ist nicht irgendein einzelnes Konto und auch nicht irgendein bestimmtes Produkt, sondern die Kontinuität derselben Kapitalmenge.

Handel, Erträge, Investitionen, Zahlungen – das sind ursprünglich gar nicht vier verschiedene Kapitalarten. Vielmehr sollte dieselbe Kapitalmenge in unterschiedlichen Phasen jeweils unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Wenn ich mir jetzt also nochmals Capital Productivity anschaue, habe ich eher das Gefühl, dass es dabei nicht primär darum geht, die Handelseffizienz zu optimieren, sondern darum, wie Kapital im gesamten Finanzsystem fließt und „läuft“.
#grvt