Das Entwickler-Ökosystem rund um Injective ist zum neuesten Ziel eines schwerwiegenden Angriffs auf die Software-Lieferkette geworden. Das Cybersicherheitsunternehmen Socket hat herausgefunden, dass eine kompromittierte Version des Pakets @injectivelabs/sdk-ts bösartigen Code enthielt, der in der Lage war, Wallet-Private-Keys sowie Wiederherstellungs-Seed-Phrasen heimlich an Server zu übertragen, die von den Angreifern kontrolliert werden.

Der Vorfall macht eine wachsende Entwicklung in der Kryptoindustrie deutlich: Angreifer zielen zunehmend auf Entwickler-Tools, statt direkt Blockchains oder Smart Contracts anzugreifen.

Bösartiges Update fängt sensible Wallet-Daten ab

Laut Socket wurde Version 1.20.21 des Pakets @injectivelabs/sdk-ts kompromittiert. Das Software Development Kit wird von Entwicklern häufig genutzt und erfasst typischerweise jede Woche Zehntausende Downloads.

Ermittler fanden heraus, dass Angreifer zunächst auf das GitHub-Konto eines Entwicklers zugriffen, bevor sie bösartigen Code in das Paket einschleusten. Verdächtige Commits tauchten zunächst Anfang Juni auf und wurden später über mehrere weitere Pakete innerhalb des Injective-Ökosystems weiterverbreitet.

Die Malware unterbrach Wallet-Generierungsfunktionen, erfasste private Schlüssel und Wiederherstellungs-Seed-Phrasen, verschlüsselte die gesammelten Informationen und übermittelte sie über gefälschte Telemetrieanfragen an einen Server, der so ausgelegt war, dass er legitime Injective-Infrastruktur nachahmt.

Sicherheitsexperten warnten, dass alle privaten Schlüssel oder Mnemonic-Phrasen, die von den kompromittierten Paketen verarbeitet werden, als offengelegt betrachtet werden sollten. Das Risiko beschränkte sich nicht nur auf Anwendungen, die das SDK direkt installieren. Auch Projekte, die auf die betroffenen Abhängigkeiten angewiesen sind, könnten ebenfalls beeinträchtigt worden sein.

Obwohl die bösartige Version kurz nach ihrer Entdeckung entfernt wurde, warnten Experten, dass die umfassendere Kampagne möglicherweise noch nicht vollständig eingedämmt ist.

Injective-CEO Eric Chen erklärte, dass die betroffenen npm-Pakete veraltet gewesen seien und das Problem inzwischen behoben sei. Er betonte außerdem, dass weder die Injective-Blockchain noch die Nutzergelder im Netzwerk direkt kompromittiert worden seien. Socket hat nicht bestätigt, ob der Angriff letztlich zu gestohlenen Krypto-Assets geführt hat.

Entwickler werden zu einem Hauptziel

Der Angriff spiegelt eine breitere Entwicklung hin zu Kompromittierungen der Software-Lieferkette innerhalb der Kryptoindustrie wider. Anstatt zu versuchen, die Blockchain-Protokolle selbst auszunutzen, konzentrieren sich Angreifer zunehmend auf Entwicklungstools, Paket-Repositorys und Softwarebibliotheken, die zum Aufbau von Wallets, Börsen und dezentralen Anwendungen verwendet werden.

In seinem neuesten Bedrohungsbericht warnte die Security Alliance (SEAL), dass Cyberkriminelle stärker Plattformen wie GitHub, npm und sogar Google-Suchergebnisse nutzen, um bösartige Software zu verbreiten.

In mehreren Fällen sollen kompromittierte Entwicklerrechner verwendet worden sein, um bösartigen Code direkt in unternehmenseigene GitHub-Repositories einzuschleusen, sodass Angreifer Malware über vertrauenswürdige Software-Vertriebskanäle verbreiten konnten. Forscher haben außerdem einen Anstieg ausgeklügelter Kampagnen beobachtet, die Informationsdiebstahler, Remote-Access-Trojaner (RATs), Backdoors und speziell auf macOS-Systeme ausgerichtete Malware kombinieren.

Der Injective-Vorfall ist kein Einzelfall. Bereits in diesem Jahr richteten sich kompromittierte Axios-npm-Pakete und die groß angelegte TrapDoor-Kampagne an Entwickler, die in den Bereichen Kryptowährung, DeFi, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit tätig sind. Außerdem gab GitHub bekannt, dass es nach der Kompromittierung des Geräts eines Mitarbeiters unbefugten Zugriff auf mehrere interne Repositories gegeben habe.

Laut der Blockchain-Sicherheitsfirma CertiK wurden Wallet-Kompromittierungen in der ersten Hälfte des Jahres 2026 zur kostspieligsten Kategorie von Kryptoangriffen. In 33 separaten Vorfällen stahlen die Angreifer rund 444 Millionen US-Dollar an digitalen Vermögenswerten. Das unterstreicht, dass die Sicherung der Entwickler-Infrastruktur zu einer der kritischsten Herausforderungen im Bereich Cybersicherheit der Branche geworden ist.

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