Vor nur wenigen Wochen fürchteten die Marktteilnehmer eine langanhaltende Krise bei der globalen Energieversorgung. Heute ist die Erzählung eine andere.
Die Ölpreise gingen zurück, nachdem die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in technische Aspekte im Zusammenhang mit der Schifffahrt und der regionalen Stabilität übergingen. Die schrittweise Wiederaufnahme der Transportströme in der Straße von Hormus senkte die von den Anlegern wahrgenommenen Risiken deutlich.
Brent und WTI verzeichneten Verluste von nahezu 1%, was eine Neubewertung des in die Preise eingepreisten geopolitischen Risikos in den letzten Monaten widerspiegelt.
Aus Sicht des Tradings liegt der Fokus nicht mehr nur auf der Geopolitik. Die Marktteilnehmer verfolgen auch weiterhin genau:
• Rohölbestände in den USA
• Mögliche Erhöhungen der Förderung durch OPEC+.
• Erwartungen an das globale Wirtschaftswachstum.
• Entwicklung der Energienachfrage im zweiten Halbjahr.
Die Kombination aus potenziell höherem Angebot und einer globalen Wirtschaft mit gemischten Signalen hat ein Umfeld geschaffen, das weniger günstig ist für aggressive Long-Positionen.
Allerdings wäre es verfrüht, das Ende der Volatilität zu verkünden. Öl bleibt eines der volatilsten Assets, wenn es um geopolitische Ereignisse geht. Eine Verschlechterung der Verhandlungen oder neue Einschränkungen für den Seetransport könnten innerhalb von Stunden abrupte Bewegungen auslösen.
In der Zwischenzeit scheint der Markt ein Szenario schrittweisen Normalisierens der Versorgung einzupreisen, aber die Trader wissen, dass sich die Narrative im Öl viel schneller ändern können als die Fundamentaldaten.
