In den neuesten globalen Finanzmarkt-Handelszeiten kam es sowohl bei risikoaversen Vermögenswerten als auch im Markt für Staatsanleihen zu deutlichen Ausschlägen. Die Rendite britischer Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit fiel intraday um 10 Basispunkte auf 5,76% und markierte damit den größten Tagesrückgang seit Mai des vergangenen Jahres. Gleichzeitig strömten Käufer in den Edelmetallmarkt: Der Goldpreis sprang im Tagesverlauf um nahe 15 US-Dollar auf 4.350 US-Dollar je Unze und stieg um 2,07%; auch der Silberpreis zog synchron um 0,4 US-Dollar an und wurde mit 64,63 US-Dollar je Unze notiert. Die gleichzeitigen Ausschläge zweier repräsentativer Vermögenswerte spiegeln klar wider, dass Marktmittel gerade einer starken Neubewertung unterzogen werden.
Der abrupte Rückgang der Renditen langlaufender Staatsanleihen geht mit einem kräftigen Anstieg der Edelmetalle einher. Dies ist üblicherweise kein Signal für eine gesunde Ausweitung der Liquidität, sondern eher ein defensives Hedging angesichts zunehmender makroökonomischer Unsicherheit und der Risikoperspektive einer Stagflation am unteren Ende der Verteilung. Der steile Fall der Langfristzinsen zeigt, dass der Markt die Wachstumskraft in der mittleren bis fernen Zukunft massiv anzweifelt und sogar ein Rezessionsrisiko vorzeitig einpreist. Der durchbruchartige Anstieg von Gold wiederum macht die Sorge deutlich, dass staatliche Kreditwährungen durch Inflation und geopolitische Ungewissheit erodiert werden. Im Vergleich zu den zuvor vorherrschenden optimistischen Erwartungen an eine weiche Landung deutet die aktuelle Entwicklung der Vermögenspreise stärker darauf hin, dass sich die Risikoaversion flächendeckend verstärkt.
Für den gesamten traditionellen Finanzmarkt lässt dieses Muster der Asset-Kopplung darauf schließen, dass sich die Risikoneigung realistisch gesehen deutlich zusammenzieht. Starke Schwankungen der Renditekurve bei Anleihen verschärfen häufig die Aufspaltung der Liquidität in den Kapitalmärkten. Hoch bewertete Aktienwerte werden unter erhöhten Bewertungs-Neubechnungsdruck geraten. Wenn Gold und defensive Zinsanlagen als Zufluchtsorte für Kapital fungieren, dürfte die Volatilität bei Rohstoffen und zyklischen Sektoren deutlich steigen. Zudem könnten Hinweise auf eine Zusammenballung in defensiven Segmenten den Spielraum für Kursgewinne bei riskanten Assets weiter einengen.
Übertragen auf den Kryptomarkt sollten Anleger noch vorsichtiger sein. Zwar versuchen einige Positionen, Krypto-Assets – darunter
$BTC – als digitale risikoaverse Assets einzuordnen, doch in extremen Liquiditätslagen, die von makroökonomischer Risikoabsicherung getrieben sind, werden Krypto-Märkte häufig zuerst als hochbetastarke Risikoassets klassifiziert. Wenn eine Risikoaversion dazu führt, dass externe Liquidität sich verengt oder eine umfassende Enthebelung (Deleveraging) auslöst, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Mittel aus hochvolatilen Assets abgezogen werden, um in Barmittel sowie harte defensive Instrumente zurückzufließen. Angesichts des kurzfristigen makroökonomischen Gegenwinds birgt das blinde Hinterherlaufen steigender Kurse ein erhöhtes Risiko für Rücksetzer. Man sollte die abwärts gerichtete Belastung im Blick behalten, die durch Liquiditätsumlagerungen in den Kryptomarkt entsteht.
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