Viele Einsteiger denken beim Wort „Staking“ zuerst: Ich zahle meine Coins ein und kann dann entspannt Zinsen kassieren. Das stimmt nur zur Hälfte. Heute erklären wir anhand der gerade abgerufenen Daten verständlich, wie ETH-Staking und Liquid Staking (LST) funktionieren.
1. Was passiert beim Staking eigentlich?
Ethereum ist ein Proof-of-Stake-Netzwerk. Validatoren müssen 32 ETH als Sicherheit hinterlegen und sind dafür verantwortlich, Blöcke vorzuschlagen und zu validieren. Wenn sie ihre Arbeit gut machen, erhalten sie Belohnungen. Bei Fehlverhalten oder längerer Inaktivität kann ein Teil ihrer hinterlegten ETH als Strafe eingezogen werden. Staking-Erträge sind also keine „Zinsen“, sondern eher eine Vergütung dafür, dass man dem Netzwerk Sicherheit bietet. Sie stammen aus neu ausgegebenen ETH und den Trinkgeldern, die Nutzer bei Transaktionen zahlen.
II. Wie können normale Nutzer teilnehmen?
Einen eigenen Node zu betreiben, ist anspruchsvoll: Man benötigt 32 ETH und muss den Betrieb zuverlässig gewährleisten. Deshalb gibt es zwei einfachere Möglichkeiten:
1. Staking-Angebote von Handelsplattformen: Die Bedienung ist einfach, aber die Assets liegen auf der Plattform und man muss deren Risiken akzeptieren.
2. Liquid-Staking-Protokolle (LST): Du zahlst ETH ein und erhältst dafür einen „Token als Beleg“, zum Beispiel stETH, WBETH oder rETH. Dieser Token gewinnt durch die Staking-Belohnungen an Wert und kann gleichzeitig weiterhin in DeFi genutzt werden.
III. Ein Blick auf einige aktuelle Zahlen
Laut Daten von DefiLlama vom Abend des 26.10.2026:
• Lido (stETH): annualisierte Rendite von etwa 2,24 %, rund 22,46 Milliarden US-Dollar on-chain gebunden. Einen Monat zuvor waren es etwa 26,47 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang von rund 15 % (darin spiegelt sich auch die Veränderung des ETH-Preises wider).
• Gestaktes ETH bei Binance (WBETH): annualisierte Rendite von etwa 2,16 %, rund 8,1 Milliarden US-Dollar gebunden.
• Rocket Pool (rETH): annualisierte Rendite von etwa 1,83 %, rund 1,12 Milliarden US-Dollar gebunden.
Wie man sieht, liegt die annualisierte Rendite beim Staking der gängigen ETH-Optionen ungefähr bei 2 % und ist damit nicht besonders hoch. Es ist eher ein „Zusatzeinkommen“ für ETH-Besitzer als ein Renditeinstrument. Außerdem schwankt dieser Wert: Je mehr Menschen staken, desto weniger erhält jeder Einzelne.
IV. Vier Risiken, die Einsteiger am leichtesten übersehen
1. Depeg-Risiko: Das Tauschverhältnis zwischen dem Token als Beleg und ETH muss nicht dauerhaft 1:1 betragen. In Zeiten von Marktpanik kann der Token auf dem Sekundärmarkt mit Abschlag verkauft werden.
2. Smart-Contract-Risiko: Eine Sicherheitslücke im Protokollcode kann zu Verlusten führen. Große Protokolle werden zwar häufiger geprüft, doch das Risiko verschwindet dadurch nicht vollständig.
3. Slashing-Risiko: Fehlverhalten oder Ausfälle eines Nodes können zu Abzügen führen. Protokolle verteilen die Stakes in der Regel auf viele Nodes, um die Auswirkungen zu verringern – aber nicht vollständig auszuschließen.
4. Warteschlange beim Ausstieg: Wenn du ETH direkt über das Protokoll einlösen möchtest, musst du mit einer Wartezeit rechnen. In Spitzenzeiten kann das mehrere Tage oder sogar länger dauern.
V. Einige meiner persönlichen Grundsätze
• Überlege zuerst, wie lange du auf diese ETH verzichten kannst. Geld, das du kurzfristig brauchst, eignet sich nicht zum Staking.
• Stecke nicht alle ETH in dasselbe Protokoll, sondern streue sie.
• Berücksichtige neben der annualisierten Rendite auch die Kursschwankungen. Eine Kursschwankung, die einer Rendite von 2 % gegenübersteht, kann die Belohnungen eines ganzen Jahres an nur einem Tag aufwiegen.
• Bevor du mit LST komplexere DeFi-Strategien ausprobierst, solltest du zunächst die grundlegenden Risiken verstehen. Lass dich nicht von hohen annualisierten Renditen blenden.
Zum Schluss eine kurze Zusammenfassung: Beim Staking stellst du dem Netzwerk eine Sicherheitsleistung zur Verfügung und erhältst dafür eine Vergütung. LST sorgen dafür, dass diese Assets liquide bleiben, bringen aber zusätzliche Smart-Contract- und Depeg-Risiken mit sich. Diese Punkte zu verstehen und dann zu entscheiden, ob du teilnehmen möchtest, ist wichtiger, als nur auf die annualisierte Rendite zu schauen.
Wie verwahrst du dein ETH derzeit: selbst, auf einer Plattform oder hast du es bereits in einem Protokoll gestakt? Erzähl uns gern in den Kommentaren, wie du es machst.
Die oben genannten Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen und dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie stellen keine Anlageberatung dar.