Der CPI für September ist da: Die Gesamtinflation lag im Monatsvergleich bei etwa +0,6 % und im Jahresvergleich bei etwa +3,7 %; die Kerninflation bei etwa +0,3 % bzw. +2,6 %. Die Gesamtinflation im Monatsvergleich entsprach weitgehend dem zuvor erwarteten Wert von rund 0,6 %, doch sowohl der Jahreswert als auch die beiden Kernwerte fielen höher aus als die zuvor niedrigeren Markterwartungen (etwa 3,6 %/0,2 %/2,5 %). Die Benzinpreise stiegen im Monatsvergleich um etwa 9,1 %, die Energiepreise um etwa 5,2 %; Mieten und Wohnkosten bleiben hartnäckig hoch.
Der Markt schrieb das Drehbuch sofort um: Statt der idealen Aufteilung „hohe Energiepreise, stabile Kerninflation“ wurde auch die Kerninflation nach oben gezogen – ein ungünstigeres Signal für die Diskontsatz-Story. Dass Wachstumsaktien, Kryptowährungen und hoch bewertete Softwareunternehmen in der vergangenen Nacht gemeinsam unter Druck gerieten, war keine Überraschung.
Meine Einschätzung: Nicht nur auf Benzin schauen. Was die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung tatsächlich steigen lässt, ist die Hartnäckigkeit der Kerninflation und der Dienstleistungspreise. Als Nächstes kommt es darauf an, ob die wöchentlichen Preisdaten und die Kommunikation der US-Notenbank in dieselbe Richtung weisen. Bei der Positionierung sollte man einen „einmaligen schlechten Datenpunkt“ getrennt von einer „Neubewertung des Zinspfads“ handeln.
Disziplin bei der Umsetzung ist wichtiger als die nachträgliche Analyse der Zahlen.
Bei den einzelnen Komponenten ist die Frage, ob Dienstleistungen und Wohnkosten weiterhin hartnäckig bleiben, für die Geduld der US-Notenbank entscheidender als die monatlichen Schwankungen beim Benzinpreis. Energiepreise können wieder sinken, doch hartnäckige Dienstleistungspreise lassen das Narrativ der „vorübergehenden“ Inflation oft scheitern.
Für den Handel bedeutet das: Die Volatilität dürfte eine Zeit lang zunehmen. Drückt eure Überzeugung nicht mit einer Vollinvestition aus, sondern mit einer Checkliste, die für Disziplin sorgt.
Noch ein Aspekt: Wenn Daten- und Berichtssaison zusammenfallen, ist der Spielraum für Fehler bei Indizes am geringsten. Teilt eure Positionen in Kern- und Satellitenpositionen auf – bei den Kernpositionen zählen Cashflow und Aktienrückkäufe, Satellitenpositionen dienen nur dem kurzfristigen Handel und brauchen eine klar festgelegte Ausstiegslinie. In einer Phase der Stimmungsaufhellung werden Satellitenpositionen besonders leicht zu Kernpositionen – das ist riskant.
Für die Umsetzung empfehle ich gestaffelte Käufe: zunächst eine kleine Position, um die Richtung zu testen; Aufstockungen erst, wenn sich ein klares Bild ergibt. Den Ausstieg müsst ihr unbedingt vorab im Plan festhalten. Seid bereit, auf einen Teil der Gewinne zu verzichten, um eine Neubewertung zu überstehen. Bargeld zu halten ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Option auf Volatilität. Übersteht erst einmal diese Phase, dann könnt ihr wieder über die Ausweitung des Narrativs sprechen.
Die vorstehenden Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar.