Bancamiga hat in La Guaira die Initiative ergriffen – mit einer klaren Botschaft des Wiederaufbaus: „Menschen, die wieder aufstehen“ ist ein Begleitprogramm für Gründerinnen und Gründer sowie Kleinst-, Klein- und mittelständische Unternehmen, deren Geschäfte nach den beiden Erdbeben im Juni ins Wanken geraten sind. Vorgestellt wurde das Programm gemeinsam mit der Handelskammer von La Guaira; als Partner für die Weiterbildung ist die Organisation Aprendo y Emprendo mit an Bord. Es geht nicht darum, Unternehmen von Grund auf neu zu erfinden, sondern darum, diejenigen zu unterstützen, die schon länger kämpfen und nun mitten in der Strömung ihr Boot wieder flottmachen müssen.
📊 Ein Rettungsanker für das Kleinst- oder Kleinunternehmen, das am Boden liegt
Der Ansatz des Programms ist ziemlich bodenständig. Die Teilnehmenden beginnen mit einem Arbeitsheft, das sie dazu zwingt, in sich zu gehen: Wie steht das Unternehmen heute da, was ist verloren gegangen, was lässt sich zuerst wiederherstellen und welche konkreten Schritte sind kurzfristig nötig? José Simón Elarba, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bank, fasste es als einen Weg zur Wiederbelebung zusammen – nicht als Gründerzentrum.
Bei Consecomercio betonte Josefina Salvatierra, dass es um mehr als Unternehmenswohltätigkeit gehe und die Initiative auf den produktiven Sektor ziele. Das leuchtet ein: In Gegenden wie La Guaira ist der formelle Handel ein Geflecht kleiner Betriebe, die sich gegenseitig stützen. Geht der Laden an der Ecke unter, trifft es auch den Lieferanten, den Transporteur und denjenigen, der ihm das Geschäftslokal vermietet.
📈 Was Schulungen allein nicht lösen
Hier kommt PitbullChain ins Spiel. Schulungen sind wertvoll, doch kein Workshop löst ein Problem, das in Venezuela strukturell ist: Liquidität und Zahlungsinfrastruktur. Nach einem Erdbeben wird Bargeld knapp, die Kartenterminals fallen aus, die Netzwerke sind unterbrochen und die Waren müssen im Voraus bezahlt werden. Unternehmer können den besten Wiederaufbauplan der Welt haben und trotzdem feststecken, wenn sie weder Geld entgegennehmen noch bezahlen können.
🔎 P2P wird zur Kasse des Viertels
In dieser Lücke zeigt der venezolanische P2P-Markt, was in ihm steckt. Wenn die herkömmliche Infrastruktur ausfällt, greifen viele informelle und halbformelle Betriebe auf USDT zurück – für drei ganz konkrete Zwecke: Vermögen vor der Inflation schützen, Geld bewegen, ohne von einem Bankschalter abhängig zu sein, und Lieferanten bezahlen, die kilometerweit entfernt sind. Ein Händler in La Guaira kann Bolívares in USDT tauschen, das Geld verschicken und noch am selben Tag einen Einkauf abschließen – ohne Warteschlangen und ohne Bankfilialen, die nur eingeschränkt geöffnet sind.
Wir behaupten nicht, dass P2P die magische Lösung ist oder einen Geschäftsplan ersetzt. Es ist ein Werkzeug. In der Praxis dient es aber seit Jahren als Kasse des Viertels: schnell, ohne Öffnungszeiten und zu einem Kurs, den der Markt selbst bestimmt.
💰 Dollar, BCV und die Lücke, die immer wieder entsteht
Jedes Programm zur Wiederbelebung von Unternehmen stößt auf dieselbe Hürde: den Wechselkurs als Referenz. Wenn der offizielle Kurs und der Parallelkurs des Dollars auseinanderdriften, werden Preise zum Rätsel und die Planung zum Blindflug. Für ein Kleinst- oder Kleinunternehmen, das importierte Betriebsmittel einkauft und in Bolívares verkauft, ist es fast Wahrsagerei, wissen zu wollen, wie viel der Dollar in zwei Wochen kosten wird.
Deshalb richten viele Händler ihre Preise letztlich nach dem USDT-Kurs aus, der sich im Alltag zu einer faktischen Referenz entwickelt hat. Nicht, weil er offiziell wäre, sondern weil er jederzeit auf dem Handy verfügbar ist.
🛡️ Krypto-Überweisungen: der Kanal, den niemand abschalten kann
Es gibt noch einen weiteren Aspekt, den das Programm von Bancamiga nur am Rande streift: Geld, das von außerhalb ins Land kommt. Nach einer Notlage wird die Diaspora aktiv. Verwandte in Chile, Peru, Spanien oder den Vereinigten Staaten schicken Geld – und immer häufiger tun sie das in Stablecoins, weil es schneller und günstiger ist als eine herkömmliche Überweisung. Dieser Geldfluss taucht zwar in keiner Bankbilanz auf, landet aber letztlich in genau den Geschäften, die diese Programme retten wollen.
⚠️ Die Einschätzung von PitbullChain
Die Initiative von Bancamiga ist eine gute Nachricht und hoffentlich wird sie Nachahmer finden. Dass sich eine Privatbank mit der Handelskammer und einer Bildungseinrichtung zusammensetzt, um Kleinst- und Kleinunternehmen wieder aufzubauen, ist genau die Art von Zusammenarbeit, die das Land braucht. Doch La Guaira wird nicht allein mit Workshops und Arbeitsheften wiederaufgebaut werden.
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