In der vorherigen Lektion habe ich bereits auf „eine 6-Punkte-Checkliste vor dem Klick auf die Order“ hingewiesen.
In dieser Lektion gehen wir Schritt 5 tiefer: „Wenn du nicht weißt, wo du den Stop setzen sollst, dann ist das noch kein Setup.“
Viele Trader zeichnen zuerst hübsche Kerzen, gehen dann in den Trade – und fragen erst danach: „Wo soll man den Stop hinlegen, damit es weniger weh tut?“
Das umgekehrt zu machen, verwandelt den Stoploss in Beiwerk.
Der Stoploss muss zuerst eingezeichnet werden, gleichzeitig mit der Signalkerze. Er entscheidet darüber, ob der Trade überhaupt existieren darf.
Was ist ein Stoploss — in einem Satz
Stoploss ist der Kurswert, der zeigt, dass die ursprüngliche These falsch ist.
Nicht der Level „mit dem ich meine Emotionen aushalte.“
Nicht eine runde Zahl nur für schön.
Nicht der Ort, an dem man hofft, dass der Kurs dreht.
Wenn du kaufst, weil es bei Support einen Hammer gibt, ist die These falsch, sobald der Kurs unter dem Hammer-Boden schließt.
Wenn du wegen Bearish Engulfing an einem Widerstand verkaufst, ist die These falsch, sobald der Kurs über dem High der Engulfing-Kerze schließt.
Der Stop muss direkt nach dieser Grenze liegen.

Hinweis: Entry – Stop – Target müssen gleichzeitig sichtbar sein. Fehlt ein Stop, dann ist es noch kein Trade-Befehl.
Stop nach der Kerze setzen — Grundregel
📌 CANDLE ENTRY & STOPLOSS CHECKLIST
1️⃣ Kauf nach der Bullish-Kerze:
→ Stopp: Unter dem Boden der Candlestick-Signal-Formation, einen kleinen Puffer lassen.
→ Warum: Der Dochtboden ist der Ort, an dem der Verkäufer abgelehnt wurde.
2️⃣ Verkauf nach der Bearish-Kerze
→ Stop: Oberhalb des Dochts des Signal-Candlesticks, einen kleinen Puffer lassen.
→ Warum: Der Docht-Upper ist der Bereich, an dem die Käuferseite abgelehnt wurde.
3️⃣ Kauf nach Bullish Engulfing
→ Stop: Unter dem Boden des gesamten 2-Candles-Clusters.
→ Warum: Erst das gesamte Cluster ist die These.
4️⃣ Verkauf nach Bearish Engulfing
→ Stop: Oberhalb des Highs des gesamten 2-Kerzen-Clusters.
→ Warum: Cluster-High brechen = Engulfing scheitert.
Kleiner Puffer, um nicht vom Docht abgefangen zu werden.
Kein zu breiter Puffer, sodass ein verlorener Trade 3 gewinnende Trades auffrisst.

Hinweis: Der Hammer zeigt die Stelle, an der der Verkäufer gescheitert ist. Der Kauf-Stop liegt unter diesem Fehlschlagpunkt.
3 häufigste Stop-Fehler
👉 Fehler 1. Stop zu eng
Direkt an den Kerzenboden/-höhe setzen, genau 1–2 Ticks.
Der Kurs scannt Liquidität ab, trifft den Stop — und geht dann in die richtige Richtung.
Der Trader sagt „Recht in der Einschätzung, aber falscher Trade.“ In Wahrheit liegt der Stop genau im Stop-Cluster der Mehrheit.
👉 Fehler 2. Stop zu weit
Angst davor, abgefischt zu werden, also den Stop weiter weggezogen.
Ein verlorener Trade ist wie 3–5 gewinnende Trades. R:R bricht weg.
Ein schönes Setup wird zu einem Trade, der nicht erlaubt ist, um einzusteigen.
👉 Fehler 3. Stop aus Emotionen
„Bei -50 USD schneiden.“
„Bei -2% vom Kontokapital schneiden.“
Diese Zahl ist nicht mit der Preisstruktur verbunden. Der Kurs interessiert sich nicht dafür, wie viel du verlierst.

Hinweis: Der Bereich unter dem alten Tief / über dem alten Hoch ist oft ein Stop-Cluster. Dort sehr eng zu setzen bedeutet, Liquidität abzugeben.
Der Stop muss genug „Atem“ haben, aber darf das R:R nicht zerstören.
Richtiger Ablauf:
Signal-Candlestick und Preiszone bestimmen
Stop hinter die Grenze der These setzen
Abstand messen: |Entry − Stop|
Das nächste, noch sinnvolle Target finden
R:R berechnen
Wenn R:R unter 1:2 → Trade verwerfen, Stop nicht so weit ziehen, bis die Zahl passt.
Den Stop ziehen, damit der Trade „noch lebt“, ist die Art, langsam zu sterben.
Beispiel:
Kauf BTC 84.200
Stop unter dem Kerzenboden 83.400 → Risiko 800
Target am Widerstand 85.000 → Belohnung 800 → R:R 1:1
Die Kerze kann schön aussehen. Der Trade darf trotzdem nicht ausgeführt werden.
Weil der Stop das schon ehrlich sagt: Die Belohnung deckt das Risiko nicht genug.

Hinweis: R:R 1:2 und 1:3 ist das, was man braucht, um eine Trade-Serie aufzuziehen. R:R 1:1 bedeutet: Man muss sehr oft gewinnen, um am Ende auszugleichen.

Hinweis: Mit demselben Entry, aber unterschiedlichem Stop entstehen zwei verschiedene Trades. Miss erst, bevor du klickst.
Der Stop bestimmt die Lot-Größe — nicht das Gefühl
Formel zum Kapitalerhalt:
Geldrisiko = Konto × % Risiko
Lots = Geldrisiko / Stopabstand
Beispiel:
Konto 1.000 USD
Risiko 1% = 10 USD
Stop ist 8 USD entfernt
Lots nicht erhöhen, weil „es sicher ist“.
Wenn der Stopabstand groß ist, müssen die Lots kleiner sein.
Das ist ein Stoploss, der seine Aufgabe erfüllt: zuerst das Kapital schützen, den Gewinn später berechnen.
Konkreter Praxis-Tipp für ein kleines Konto:
0.5%–1%/Trade
Nicht so tun, als wäre es eilig, wenn du gerade gestoppt wurdest
Stop nicht weiter weg nach dem Einstieg ziehen, außer du verschiebst ihn in eine vorteilhafte Richtung (Trailing)
Wann darf man den Stop verschieben
Erlaubt:
Wenn der Kurs in Richtung des Trades bereits ≥ 1R gelaufen ist → Stop auf Break-even nachziehen
Neue Struktur erscheint (Boden danach höher / Hoch danach niedriger) → Stop hinter die neue Struktur zurückverlegen
Nicht erlaubt:
Stop weiter wegziehen, weil „noch nicht schneiden will“
Stop entfernen, weil man glaubt, der Kurs dreht zurück
Aus einem verlorenen Trade wird ein Hoffnungstrade
Wenn der Stop aufgehoben wird, ist die Checkliste kaputt.
Die Checkliste beim ersten Mal zu brechen, ist leicht – beim zweiten Mal erst recht.

Hinweis: Bearish-Kerze am Widerstand wird erst dann zu einem Trade, wenn der Stop über dem High der Kerze liegt und das R:R ausreichend bleibt.
Beispiel: BTC 4H-Beispiel neu anheften für den 26/09

Kurs 84.016, läuft seitwärts 83.200–85.500.
Wenn man dich zum Kauf bei 84.000 zwingt, Stop unter 83.200:
Stopabstand ≈ 800 USD
Das Target im Range liegt nur etwa bei 85.500 → R:R unter 1:2
Der Stop liegt noch genau in dem Bereich, durch den der Kurs hin- und her „scannt“
Die Checkliste aus dem vorherigen Beitrag schließt solche Trades aus.
Dieser Beitrag erklärt noch mehr: Ein Stop, der „auf Papier“ gesetzt ist, heißt nicht, dass er als Stop auch funktioniert.
Ein Stop, der funktioniert, muss sowohl zur richtigen Struktur passen als auch das R:R wahren und darf nicht inmitten der Zone liegen, die gerade abgefischt wird.
Stop-Checkliste — Ticket/Plan festlegen, bevor du klickst
Stop liegt hinter der Grenze der These, nicht im Kerzenkörper
Setze nicht zu nah an den Docht, sodass es sicher abgefischt wird
Nicht so weit weg, dass ein verlorener Trade das Konto zerstört
Lots wurden nach dem Stopabstand berechnet, nicht geraten
R:R ist noch ≥ 1:2, nachdem du den Puffer gelassen hast
Wissen, was du vorher machst, wenn der Stop getroffen wird: schneiden, journal führen, stoppen — nicht hektisch
Ein Kästchen fehlt → Trade noch nicht eingegeben.
FAZIT
Die Kerze zeigt, wer an diesem Session gewinnt.
Stoploss zeigt dir, wie viel du riskieren darfst, wenn deine Einschätzung sich als falsch erweist.
Wer sein Kapital schützt, ist nicht jemand, der Top/Boden besser vorhersagt.
Sie sind die, die den Stop zuerst setzen, dann die Lots berechnen — und akzeptieren, dass sie gestoppt werden als Kosten, nicht als Schande.
Kerzen lesen, um Chancen zu finden.
Setze den Stop so, dass du noch ein Konto hast und die nächste Chance nutzen kannst.
Welchen Fehler machst du gerade: Stop zu eng, wird abgefischt, oder Stop zu weit, sodass R:R schlecht wird? Kommentar: 1 Chart hat den Stop bereits eingezeichnet, ich lese ihn mit.
BRIAN TRUONG


