Der frühere Vorsitzende der New Yorker Fed, Dudley, hat diese Woche Klartext gesprochen: Die Fed „dürfte in dieser Woche so gut wie sicher anheben“, und zwar nicht als einmalige Maßnahme, sondern als „der Beginn einer Reihe von Zinserhöhungen“. Der Zeitplan passt: Am 16. September ist der Zinstermin.

Die von ihm genannten Gründe sind typisch: Die Inflation liegt noch über dem 2%-Ziel, der Kern-CPI ist im August im Monatsvergleich um rund 0,3% gestiegen, und die Arbeitslosenquote ist erneut sehr niedrig. In dieser Konstellation ist die Straffung für ihn „ungewöhnlich eindeutig“.

Noch ungewöhnlicher: Er hat den amtierenden Vorsitzenden Powell ganz direkt kritisiert und die Praxis, die Geldpolitik an die Finanzmärkte „auszulagern“, als „extrem schlechte Vorgehensweise“ bezeichnet. Anders gesagt: Die Fed könnte nicht mehr einfach nur den Markt-Erwartungen folgen wollen, sondern den Straffungspfad selbst noch stärker festzurren.

Für risikoreiche Vermögenswerte einschließlich Kryptowährungen wirkt sich diese Kombination aus „fortgesetzter Straffung + Abschwächung der Marktdominanz“ häufig über Bewertungsdiskontierung und Liquiditätsprämien aus. In den kommenden Sitzungen werden das tatsächliche Handeln der Fed und der Kommunikationsstil entscheidende Variablen für die Beurteilung der Risikoappetit-Phase sein.