Chinas Konsumenteninflation beschleunigte sich im August: Der Verbraucherpreisindex (VPI) stieg um 0,8% im Jahresvergleich, nach 0,5% im Juli. Im Monatsvergleich erhöhte sich der VPI um 0,4%.
Auf den ersten Blick wirkt die Beschleunigung ermutigend, da China mit schwacher Inlandsnachfrage und anhaltendem deflationärem Druck zu kämpfen hat. Allerdings bleibt das zugrunde liegende Bild komplizierter.
Energie- und Lebensmittelinflation treiben die Schlagzeilen-Inflation
Ein erheblicher Teil des Anstiegs entfiel auf höhere Energiepreise. Die Energieinflation beschleunigte sich deutlich und spiegelte höhere globale Rohölpreise sowie geopolitische Lieferausfallrisiken wider.
Auch die Lebensmittelpreise trugen zum monatlichen Anstieg bei. Frisches Gemüse stieg vor dem Hintergrund ungünstiger Wetterbedingungen und saisonaler Angebotsstörungen, während die Eierpreise einen deutlichen Anstieg im Jahresvergleich verzeichneten.
Allerdings erlebt nicht jede Lebensmittelkategorie eine Inflation. Die Schweinefleischpreise standen weiterhin unter Druck, was die ungleichmäßige Natur der Dynamik der Lebensmittelpreise in China unterstreicht.
Die Kerninflation bleibt relativ moderat
Chinas Kern-CPI, die Lebensmittel und Energie ausschließt, stieg um 1,0% im Jahresvergleich, nach zuvor 0,9%.
Das ist ein wichtiger Indikator.
Obwohl die Inflationsrate insgesamt nach oben tendiert, bleibt die Kerninflation relativ gedämpft. Das deutet darauf hin, dass der jüngste Anstieg noch kein Beleg für eine breite Beschleunigung der Konsumnachfrage ist.
Mit anderen Worten: China sieht eine gewisse Normalisierung der Preise, aber die Wirtschaft ist noch nicht in einen starken, nachfragegetriebenen Inflationszyklus eingetreten.
PPI liefert ein weiteres wichtiges Signal
Chinas Erzeugerpreisindex (PPI) stieg um 3,8% im Jahresvergleich und beschleunigte sich damit von 3,5% im Juli.
Die stärkere PPI-Zahl ist besonders bedeutsam, weil China sich über einen längeren Zeitraum mit Schwäche bei den Erzeugerpreisen auseinandersetzen musste.
Höhere Preise für Energie, Metalle, Chemikalien und andere Industrieprodukte deuten darauf hin, dass die Preisbelastung in vorgelagerten Bereichen stärker wird.
Anleger sollten jedoch zwischen inflationsbedingter Entwicklung durch Rohstoffe und nachfragegetriebener Inflation unterscheiden. Steigende Inputkosten bedeuten nicht zwangsläufig, dass chinesische Verbraucher aggressiv ausgeben.
Was bedeutet das für Chinas Wirtschaft?
Die Augustdaten liefern ein gemischtes, aber sich allmählich verbesserndes Inflationsbild.
Positive Signale:
Die Inflationsrate insgesamt beschleunigte sich.
Die Kern-CPI erreichte 1,0%.
Der PPI blieb deutlich im positiven Bereich.
Der deflationäre Druck scheint nachzulassen.
Die Preise für Industrie-Rohstoffe ziehen an.
Bereiche mit Sorge:
Die Inlandsnachfrage der Verbraucher bleibt relativ schwach.
Ein Großteil des Anstiegs der Gesamtinflation hängt mit Energie und Lebensmitteln zusammen.
Die Kerninflation ist weiterhin moderat.
Höhere Inputkosten könnten die Margen der Unternehmen unter Druck setzen.
Marktauswirkungen
Für die Finanzmärkte ist die entscheidende Frage, ob sich diese Inflationsverbesserung fortsetzt.
Wenn die Kern-CPI in den kommenden Monaten weiter ansteigt, würde das stärkere Hinweise liefern, dass sich Chinas Inlandsnachfrage erholt. Das könnte positiv für chinesische Aktien, Industrie-Rohstoffe und den Yuan sein.
Wenn die Inflation jedoch weiterhin auf Energie, Lebensmittel und andere Rohstoffe konzentriert bleibt, während die Kerninflation bei etwa 1% bleibt, müssen die politischen Entscheidungsträger möglicherweise dennoch unterstützende Geld- und Fiskalmaßnahmen aufrechterhalten.
Fazit
Chinas Anstieg des CPI im August auf 0,8% im Jahresvergleich ist eine konstruktive Entwicklung, insbesondere nach Jahren der Besorgnis über Deflation.
Anleger sollten die Zahl jedoch nicht als Beweis für eine starke Erholung der Verbraucher deuten.
Die wichtigeren Kennzahlen, die es zu beobachten gilt, sind die Kern-CPI, der Konsum der Haushalte, die Einzelhandelsumsätze, die Aktivität im Immobilienbereich und die Preissetzungsmacht der Unternehmen.
Das wirklich bullische Signal für China wäre nicht einfach ein höherer CPI – sondern eine anhaltende, breit angelegte Inflation, die durch eine stärkere Inlandsnachfrage angetrieben wird.