Mittags beim Essen habe ich mit Freunden über Stop-Loss gesprochen. Er sagte: „Ich habe es in letzter Zeit wieder nicht gesetzt. Eine Position ist mir um 20% gelaufen, und jetzt tue ich so, als wäre nichts.“

Als ich gerade erst angefangen habe, war es bei mir auch so. Ich dachte, ein Stop-Loss bedeute, dass man wirklich einen Verlust akzeptiert. Solange man nicht verkauft, gibt es ja noch die Hoffnung, dass es wieder steigt. Und wie war’s am Ende? Aus einem kleinen Verlust wird oft ein großer. Aus einem großen Verlust wird ein tiefer Drawdown. Und schließlich schaut man gar nicht mehr hin – und nennt das dann „Value Investing“.

Später, nachdem ich mehrmals auf die Nase gefallen war, habe ich verstanden: Ein Stop-Loss ist keine Kapitulation, sondern Rettung.

Denk mal drüber nach: Wenn du zehn Trades machst – selbst wenn du bei fünf richtig und bei fünf falsch liegst – solange du bei jedem Fehler nur wenig verlierst und bei jedem Treffer entsprechend viel gewinnst, bist du am Ende insgesamt immer noch im Plus. Wenn du jedoch keinen Stop-Loss setzt, kann ein einziger Fehler die Gewinne von den vorherigen neun Trades komplett wieder auffressen.

In diesem Geschäft ist es wichtiger, am Leben zu bleiben, als alles andere.

Viele Leute schauen sich lieber an, wie viele „x-fach“ andere verdient haben, weil sie denken, das sei das, was wirklich beeindruckend ist. Aber eigentlich nicht. Wirklich stark ist, wer auch nach zehn Jahren oder acht Jahren noch dabei ist. Sie verdienen vielleicht nicht so schnell, und es gibt auch selten das Märchen vom schnellen Reichtum über Nacht – aber sie bleiben auf Kurs, und sie kommen weiter.

Schnell oder stabil – das ist immer eine Frage der Auswahl.

Wer schnell wählt, kann sich vielleicht eine Zeit lang gut fühlen;

wer stabil wählt, schafft es bis zum Ende.

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