Letzte Nacht stieg BTC auf 69.000, und viele hatten als Erstes den Reflex: Trump soll etwas befohlen haben. Doch für mich ist ein ignorierter Ausgangspunkt viel wichtiger: Das US-Finanzministerium hat die Rückkaufmenge von Staatsanleihen direkt verdoppelt. Krypto-Assets sind im Kern ein Randprodukt der Dollar-Liquidität. Schon eine leichte Lockerung der Zins-Erwartungen macht es empfindlicher als den Aktienmarkt. Die 200-Tage-Linie wurde mit einer einzigen Tageskerze regelrecht durchstoßen – nicht weil die technische Lage stark wird, sondern weil Leerverkäufer unbedeckt für ihre Schulden zahlen.

Die Frage war nie „Ist es gestiegen?“, sondern „Kann es weitergehen?“. Glassnode formuliert das sehr zurückhaltend: Solange die Rendite der US-10-Jahres-Anleihen nicht wirklich fällt, könnte ein Rebound nur vorübergehend sein. Meine Einschätzung: Der Krypto-Markt hat gerade keinen eigenständigen Trend. Er steigt, weil das Marktgeschehen bereits im Voraus auf einen Richtungswechsel bei der Liquidität setzt. Wenn der Zinsbereich nicht mitzieht, wird diese Aufwärtsbewegung innerhalb weniger Tage neu bewertet.

14 Milliarden US-Dollar Liquidationen der Short-Positionen klingen brutal – aber das ist die Folge, nicht der Treibstoff. Wenn der Hebel einmal aus dem Markt gefegt wurde, wird das Orderbuch zwar leichter, doch dadurch geht dem Kurs auch schnell kurzfristige Dynamik verloren. Ich habe zu oft „Short Squeeze“-artige Rebounds erlebt, bei denen man am nächsten Tag den Großteil wieder abgibt. Was wirklich zu beobachten ist, sind die Nettozuflüsse bei Spot-ETFs und die Veränderung der Stablecoin-Versorgung – nicht die Liquidationsdaten.

Der H100-Quartalsbericht zeigt einen schwebenden Verlust von 4,2 Milliarden Yen, was darauf hinweist, dass auch börsennotierte Unternehmen, die Coins horten, die Volatilität aushalten müssen. Wer im Rahmen eines Sparplans investiert, muss seinen Plan nicht wegen einer einzelnen grünen Tageskerze umwerfen. Wenn man an einen Vier-Jahres-Zyklus glaubt, dann führt man die Strategie weiterhin mechanisch aus. Was meinst du zu dieser Bewegung – der erste Schritt einer makroökonomischen Wende, oder schon wieder ein Strohfeuer, das Shorties in die Falle lockt?