🇺🇸 Das US-Finanzministerium erhöht den Rückkauf langlaufender Anleihen. Warum ist das wichtig für den S&P 500 und Bitcoin

#Macro

Das US-Finanzministerium hat angekündigt, dass es vom 9. September bis zum 4. November die Größe der Rückkauf-Operationen für langfristige Staatsanleihen in den Laufzeitbereichen 10–20 und 20–30 Jahre mindestens um das Doppelte erhöht. Zuvor lag das maximale Volumen bei rund 2 Mrd. USD pro Operation, jetzt beträgt es mindestens 4 Mrd. USD.

Ganz einfach gesagt: Das Finanzministerium wird selbst zum zusätzlichen Käufer am langen Ende des Anleihemarkts, wo zuletzt der stärkste Druck herrschte.

Das ist gerade jetzt wichtig, weil die Rendite 30-jähriger US-Anleihen sich zuletzt ungefähr auf etwa 5,3% nach oben bewegt hat, also auf sehr hohe Niveaus. Je höher diese Rendite ist, desto teurer werden auch Hypotheken, Unternehmensdarlehen und insgesamt die langfristige Finanzierung in der Wirtschaft.

Wenn das Finanzministerium die Nachfrage nach langlaufenden Anleihen erhöht, bekommt ihr Preis Unterstützung und die Rendite steht unter Abwärtsdruck. Nach der Ankündigung ist die 30-jährige Rendite schnell, grob aus dem Bereich 5,27–5,33% auf 5,19–5,20% gefallen.

Aber hier ist wichtig, das nicht mit dem neuen Gelddrucken zu verwechseln.

Das ist kein QE und kein neues Programm der Fed.

Die Federal Reserve schafft für diese Käufe keine neuen Bankreserven. Das Finanzministerium verändert lediglich die Struktur seiner eigenen Schulden: Es kauft teilweise alte langlaufende Emissionen zurück, und das kann unter anderem durch andere Kreditaufnahmen finanziert werden.

Daher ist das keine direkte Zuführung neuer Liquidität in die Wirtschaft.

Für die Märkte ist der Effekt jedoch trotzdem positiv, weil das Hauptproblem der letzten Wochen sehr hohe lange Renditen sind. Wenn die Renditen bei 10- und 30-jährigen Anleihen sinken, lässt der finanzielle Druck auf die Wirtschaft etwas nach.

Für den Aktienmarkt sieht die Kette so aus:

lange Renditen ↓ → günstigere Finanzierung → niedrigere Rendite, mit der der Markt die zukünftigen Gewinne der Unternehmen bewertet → Unterstützung für den S&P 500 und besonders für den Technologiesektor.

Für Bitcoin ist der Mechanismus ähnlich:

lange Renditen ↓ → der Dollar wird schwächer → die finanziellen Bedingungen werden etwas lockerer → für Investoren wird es leichter, Risiko einzugehen → Bitcoin bekommt Unterstützung.

Genau diese Nachricht gab dem Krypto-Markt den ersten Impuls.

Aber es ist wichtig zu verstehen, dass der weitere starke Bitcoin-Anstieg nicht mehr nur mit einer Entscheidung des US-Finanzministeriums erklärt werden kann.

Nach dem ersten Preisanstieg begann eine massive Schließung von Short-Positionen – also von Wetten der Trader auf einen Rückgang von Bitcoin. Wenn der Kurs gegen solche Positionen nach oben geht, schließen Börsen sie zwangsweise, und für das Schließen muss man Bitcoin kaufen.

Infolgedessen entsteht eine Kettenreaktion:

Der Kurs steigt leicht → ein Teil der Short-Positionen wird liquidiert → es entstehen zusätzliche Käufe → der Kurs steigt noch stärker → die nächsten Positionen werden liquidiert.

Innerhalb kurzer Zeit hat das Volumen solcher Liquidationen 1 Mrd. USD überstiegen.

Deshalb muss die BTC-Bewegung in zwei Teile aufgeteilt werden.

Der erste Teil ist makroökonomisch: Das Finanzministerium erhöht den Rückkauf langlaufender Anleihen → die Renditen fallen → der Dollar wird schwächer → die Bedingungen für riskante Assets verbessern sich.

Der zweite Teil ist die interne Mechanik des Krypto-Markts: Das anfängliche Wachstum hat eine massive Schließung von Short-Positionen ausgelöst, die Bitcoin bereits selbst beschleunigt hat.

Das heißt, die Entscheidung des Finanzministeriums wurde zum Auslöser, aber nicht zur einzigen Ursache für die gesamte weitere Bewegung.

Für den Krypto-Markt ist das insgesamt eine positive Veränderung, vor allem, wenn daraus ein nachhaltiger Trend zu sinkenden langen Renditen wird.

Das beste Szenario für Bitcoin sieht aktuell so aus:

10Y und 30Y sinken weiter → der Dollar wird schwächer (DXY) → die Fed erhöht im September nicht den Zinssatz → die Inflation beschleunigt sich nicht.

Dann kann die positive Wirkung sich schrittweise von Bitcoin auf Ethereum und anschließend auf große Altcoins verlagern.

Aber gerade die Entscheidung des Finanzministeriums garantiert nicht, dass das Maximum der Renditen bereits erreicht ist. Wenn sich die Inflation wieder beschleunigt, der Ölpreis weiter steigt oder die USA die Emission neuer Schuldtitel deutlich erhöhen müssen, können die langen Renditen wieder nach oben gehen.

Fazit: Das US-Finanzministerium hat begonnen, die Liquidität am langen Ende des Anleihemarkts aktiver zu stützen. Das verringerte den Druck auf die 20- bis 30-jährigen Renditen und war ein positives Signal für den S&P 500 und Bitcoin. Für BTC lieferte diese Nachricht den ersten Impuls, die eigentliche Beschleunigung der Bewegung wurde jedoch bereits durch Liquidationen von Short-Positionen im Wert von über 1 Mrd. USD erzeugt.

Das ist positiv für den Krypto-Markt, aber kein neues „Geld drucken“. Eine echte Regimeänderung beginnt erst dann, wenn zusammen mit den langen Renditen auch der Dollar und die kurzfristigen Fed-Zinsen nachhaltig nach unten gehen.