Viele Menschen kennen sich mit El Niño nicht genug aus.

Das Phänomen El Niño El Niño (El Niño) bezeichnet ein klimatisches Phänomen, bei dem die Meerestemperaturen im mittel- bis ostäquatorialen Pazifik über einen längeren Zeitraum anhaltend ungewöhnlich warm sind. Es ist ein Ausdruck der warmen Phase der „El Niño – Südliche Oszillation (ENSO)“. Durch die Veränderung der atmosphärischen Zirkulation wirkt sich dieses Phänomen weitreichend auf das globale Klima aus und führt häufig in vielen Regionen der Welt zu extremen Wetterlagen.

I. Entstehungsursachen Natürlich Ursachen: Normalerweise herrscht im äquatorialen Pazifik das Muster „West warm – Ost kalt“ (kaltes Wasser steigt im Ostpazifik auf, im Westpazifik staut sich warmes Wasser). Wenn die Passate im Südosten des Äquators nachlassen, strömt das warme Wasser im Westpazifik nach Osten zurück. Dadurch kommt es im mittel- bis ostäquatorialen Pazifik zu einem anomalen Anstieg der Meerestemperaturen, wodurch El Niño entsteht. Überlagernde Wirkung: Die globale Erwärmung liefert den Ozeanen zusätzliches Wärmepotenzial und verstärkt dadurch die Intensität von El Niño sowie die zerstörerische Wirkung extremer Wetterereignisse.

Zweitens: Monitoring und Intensitätsstandards Monitoring-Standard: Es gilt als El-Niño-Ereignis, wenn die Meerestemperatur im NINO3.4-Gebiet im mittleren Äquatorialpazifik eine kontinuierliche, gleitende 3-Monats-Mittelwert-Periode von mehr als 0,5 °C über dem Durchschnitt aufweist und dies mindestens 5 Monate lang anhält. Einteilung der Intensität: Nach der Höhe der Meerestemperatur-Anomalie wird unterschieden: schwach (0,5 bis 1,3 °C), moderat (1,3 bis 2,0 °C), stark (ab 2,0 °C) und sehr stark (ab 2,5 °C).

Das Phänomen El Niño verändert durch die Umgestaltung globaler atmosphärischer Zirkulationsmuster den globalen Wetterablauf und löst dadurch in vielen Regionen der Welt extreme Wetterereignisse (z. B. Hitze, Dürren, Überschwemmungen, Taifune) aus. Das hat umfassende und weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die wirtschaftlichen Effekte zeigen sich vor allem in vier Dimensionen: dem Rohstoffmarkt, der Makroökonomie, der Industrieökonomie und den Lieferketten. Zudem ist der Einfluss deutlich „strukturell“ und „zeitverzögert“.

Erstens: Auswirkungen auf den Markt für Rohstoffe (strukturelle Differenzierung) Agrarprodukte (am stärksten betroffen): El Niño führt zu klimatischen Anomalien in den wichtigsten globalen Produktionsregionen und verursacht starke Schwankungen der Agrarpreise. Beispielsweise führen Trockenheit in Südostasien zu geringerer Produktion von Palmöl und natürlichem Kautschuk und treibt die jeweiligen Preise nach oben. Trockenheit in Indien und Südostasien führt zu Ernteausfällen bei Reis und lässt die internationalen Reismeerpreise steigen. Hitze- und Trockenheitsperioden in Südamerika und Südostasien führen zu geringeren Kakaomengen und erhöhen die Kakaopreise. Gleichzeitig können einige Kulturen (z. B. Sojabohnen in den USA und Zuckerrohr in Brasilien) bei günstigen klimatischen Bedingungen mehr produzieren, wodurch die Preise relativ schwächer ausfallen. Energie und mineralische Rohstoffe: Eine mildere Wintersaison (Erwartung milder Winter) senkt die Heiznachfrage in der Nordhalbkugel und übt damit Druck nach unten auf die Preise für Rohöl und Erdgas aus. Umgekehrt erhöhen extreme Hitzeperioden die Last für die Kühlung und verschärfen das Missverhältnis zwischen Stromangebot und -nachfrage, was lokale Strompreise nach oben treibt. In der Bergbauindustrie führt Trockenheit dazu, dass Wasserkraft knapp werden kann und dadurch energieintensive Rohstoffzweige (z. B. Kupfer, Aluminium, Nickel) in ihrer Schmelz- bzw. Verarbeitungsleistung eingeschränkt werden. Starkregen oder Trockenheit können zudem den Abbau in den Bergwerken beeinträchtigen, wodurch die Angebotsmenge bestimmter Rohstoffe (z. B. Kupfer) schrumpft und die Preise steigen. Transportkosten: Durch El Niño ausgelöste Trockenheit (z. B. sinkender Wasserstand des Panamakanals) kann den Tiefgang der Schiffe begrenzen. Das führt zu höheren Transportkosten und zu Verzögerungen in der Logistik.

Zweitens: Auswirkungen auf die Makroökonomie (Treiber für Inflation und wachstumshemmend) Globale Inflation erhöht: Steigende Preise für Agrarprodukte und Energie werden auf den Endkonsum durchgereicht und erhöhen so die globale Inflationsrate. Besonders stark betroffen sind Schwellen- und Entwicklungsländer, die stark von importierten Nahrungsmitteln und Energieträgern abhängig sind. Wachstum gebremst: Extreme Wetterereignisse führen zu Ernteausfällen in der Landwirtschaft, zerstörter Infrastruktur, geringerer Arbeitsleistung durch hohe Temperaturen sowie erhöhten Kosten für den Wiederaufbau nach Katastrophen. Dies bremst das BIP-Wachstum in den betroffenen Regionen unmittelbar und erhöht die makroökonomische Unsicherheit.

Drittens: Auswirkungen auf konkrete Branchen (Branchendifferenzierung) Landwirtschaft und Viehzucht: Die Landwirtschaft trifft es als Erstes. Lokale Überschwemmungen oder Dürre führen zu Ernteausfällen und treiben die Preise für Agrarprodukte nach oben. Gleichzeitig steigen die Kosten für Futtermittel, was sich auf die nachgelagerte Viehwirtschaft überträgt und die Preise für Fleisch, Eier und Milchprodukte erhöht. Energie und Strom: Die Spannungen zwischen Stromangebot und -nachfrage nehmen zu. In einigen Regionen droht eine zeitweilige Stromknappheit, was die Stromkosten für Unternehmen erhöht und insbesondere energieintensive Industriezweige belastet. Industrie und Fertigung: Die Kosten für Rohstoffe (z. B. Palmöl, natürlicher Kautschuk) steigen. In Kombination mit höheren Logistikkosten führt das zu einer Verengung der Gewinnspielräume der Hersteller in der Mitte und im unteren Teil der Wertschöpfungskette. Viertens: Störungen der Lieferkette und Beeinträchtigung der regionalen Wirtschaft (Übertragung und Verzögerung) Störungen der Lieferkette: Extremes Wetter führt zu Verkehrsausfällen und Verzögerungen in den Häfen. Zusammen mit einer Niedrigbestandslage verstärkt dies die Verletzlichkeit der Lieferketten und führt dazu, dass es an der Angebotsseite in den Märkten zu Fehlanpassungen kommt. Regionale Unterschiede: Die Auswirkungen sind deutlich regional begrenzt. So können klimatische Anomalien in großen Rohstoffproduktionsgebieten wie in Südostasien oder Südamerika schnell auf den globalen Markt durchschlagen. Regionen mit vorteilhaften klimatischen Bedingungen (z. B. Teile der Landwirtschaft in Nordamerika) könnten dagegen eher relative Vorteile erzielen. Hinweis: Die wirtschaftlichen Auswirkungen von El Niño haben eine deutlich erkennbare „Verzögerungswirkung“. Die Zeitspanne nach dem Höhepunkt – etwa ein halbes Jahr bis ein Jahr später (z. B. im folgenden Frühjahr) – ist häufig die Phase, in der die wirtschaftlichen Belastungen am stärksten sind. Wie stark die Effekte ausfallen, hängt jedoch von der Intensität des El-Niño-Ereignisses, der Dauer sowie der Fähigkeit der jeweiligen Regionen zur Anpassung ab.