Die Fed ist heute Nacht schwer einzuschätzen: Wash ist die Variable

Morgen früh um zwei Uhr (nach unserer Zeit) gibt die US-Notenbank die Zinsentscheidung bekannt. Der Markt sagt, das sei die am schwierigsten vorherzusagende Sitzung.

Der CPI im Juni stieg im Jahresvergleich um 3,5% – nach 4,2% im Vormonat ein deutlicher Rückgang. Im Monatsvergleich fiel er um 0,4%; das ist der stärkste monatliche Rückgang seit 2020. Der Kern-CPI legte im Jahresvergleich um 2,6% zu, im Monatsvergleich blieb er unverändert. Neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) kamen um 5,7 Millionen hinzu, die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2%, das BIP-Wachstum nähert sich 2%. Die Daten selbst sprechen dafür, den Leitzins unverändert zu lassen.

Die eigentliche Variable ist der neue Vorsitzende Wash. Er ist am 22. Mai im Amt und hat drei Dinge getan: Er hat die Forward Guidance abgeschafft, bei der Pressekonferenz die Richtung der Zinsen nicht signalisiert und das Entscheidungssystem durch fünf interne Arbeitsgruppen umgebaut.

Spaltung im FOMC: Beim Zins-„Dot-Plot“ im Juni haben 18 stimmberechtigte Mitglieder dafür gestimmt; 9 unterstützen eine Erhöhung noch in diesem Jahr, 9 lehnen ab. Bei der letzten Sitzung fiel die Abstimmung 10 zu 2. Die Cleveland Fed mit Harmer sowie die Dallas Fed mit Logan stimmten dagegen und forderten eine Zinserhöhung. Logan sagte, die aktuellen Zinsen seien nicht restriktiv genug. Dieses Mal rechnet JPMorgan damit, dass mindestens zwei Stimmen gegen die Erhöhung kommen.

JPMorgan skizziert fünf Szenarien: Zinssatz unverändert, tendenziell eher „hart“ – Wahrscheinlichkeit 50%, S&P 500 -0,5% bis +0,25%; unverändert, eher „taub“ – Wahrscheinlichkeit 28%, S&P +0,5% bis +1%; Zinserhöhung um 25 Basispunkte – Wahrscheinlichkeit 20%, S&P -1,5% bis -2%, Nasdaq mit doppelter Verlustdynamik; Zinserhöhung um 50 Basispunkte – Wahrscheinlichkeit 1%; Zinssenkung – Wahrscheinlichkeit 1%.

Aber die CME-Daten zeigen: Die Marktpreisdaten für eine Zinserhöhung liegen bei über 30%. Diese Lücke bedeutet: Nach dem traditionellen Datenrahmen sollte keine Erhöhung erfolgen, doch der Markt bepreist für Wash ein nicht kalkulierbares Risikoaufschlag. Bank of America ist noch aggressiver und erwartet drei aufeinanderfolgende Zinserhöhungen von September, Oktober und Dezember zusammen um insgesamt 75 Basispunkte.

Der Optionsmarkt preist eine S&P-Volatilität von nur 0,8% – sogar niedriger als am Tag nach der CPI-Veröffentlichung. Gleichzeitig erreichen die offenen Kontrakte im Fed-Funds-Futures-Kontrakt einen historischen Höchststand: mehr als 960.000 Kontrakte. Institutionen sagen zwar, eine Erhöhung sei eher unwahrscheinlich – kaufen aber gleichzeitig massiv zur Absicherung.

Heute Nacht gibt es keinen Dot-Plot und keine Zusammenfassung der wirtschaftlichen Prognosen – die Wortwahl der Erklärung ist damit das einzige Signal. Wenn darin steht „Maßnahmen zu ergreifen, um Entschlossenheit zu demonstrieren“, kann die Reaktion des Marktes selbst dann ähnlich heftig ausfallen wie bei einer direkten Zinserhöhung.

Der Markt ist bereits deutlich gefallen: Am 28. Juli stürzte der chinesische CSI-Aktienindex für den Startup-Sektor/ChiNext (A-Aktien) um 7,35% ab; in Korea brach der KOSPI um 10% ein und löste den Circuit Breaker aus. Gleichzeitig stieg der Dow um 1%, der S&P-Equal-Weight-Index erreichte neue Hochs. Das Kapital läuft von überbewerteten KI-Wachstumstiteln hin zu traditionellen Blue Chips. Wenn die Fed heute Nacht den Zins unverändert lässt und die Formulierungen neutral sind, könnten sich die zuvor stark überverkauften KI- und Halbleiteraktien möglicherweise erholen.

Kernaussage: Selbst wenn es im Juli keine Zinserhöhung gibt, zeigt die CME-Datenlage, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September bei 56% liegt. Heute Nacht wirkt es eher wie ein Fenster für Signale vor dem „Showdown“ im September. Für China-A-Aktien sind drei Richtungen besonders zu beobachten: die Main-Story „heimische Substitution“ (langfristige Speicher, Halbleiterausrüstung), Export-Industrieunternehmen mit hoher Ergebnis-Sicherheit und Gold sowie das Militär als Stabilitätsfaktoren zur Absicherung von Tail-Risiken.

Fazit: Bei dieser Fed-Entscheidung ist das Schwierigste nicht die Datenlage – sondern die Blackbox Wash. Der Optionsmarkt sagt, die Volatilität liege nur bei 0,8%, doch die 960.000 Kontrakte für die Absicherung sprechen dafür, auf ein mögliches „Black Swan“-Ereignis zu achten. Das größte Signal für morgen ist nicht, ob erhöht wird – sondern was Wash sagt und was er nicht sagt.