
Die Zentralbank von Singapur hat die Geldpolitik unerwartet zum zweiten Mal in Folge am Montag verschärft. Sie verwies dabei auf weiterhin bestehende Inflationsrisiken, trotz der jüngsten Abschwächung des Preiswachstums, und bestätigte zugleich ihre Zuversicht, dass die Wirtschaft robust bleiben wird.
Die Währungsbehörde von Singapur (MAS) teilte mit, dass sie die Aufwertung des nominalen effektiven Wechselkurses des Singapur-Dollars (S$NEER) innerhalb ihres geldpolitischen Korridors nur leicht erhöhen werde, wobei die Breite des Korridors und sein Mittelpunkt unverändert bleiben. Der Schritt fiel geringer aus als die im April vorgenommene Straffung.
Die Entscheidung kam für die Märkte überraschend. In einer Reuters-Umfrage vor der Sitzung erwarteten 12 von 16 Ökonomen, dass die MAS die Politik unverändert lässt, und nur vier rechneten mit einer erneuten Straffung.
Die MAS teilte mit, dass die Kerninflation voraussichtlich ab Juli schneller anziehen und bis Mitte 2027 erhöht bleiben werde, da der externe Kostendruck weiterhin in die Binnenpreise durchschlägt.
Obwohl sich die Kerninflation im Juni auf 1,6 % im Jahresvergleich verlangsamte, wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal um 5,7 % — stärker als erwartet —, was durch eine anhaltend starke globale Nachfrage sowie fortgesetzte Investitionen in KI-nahe Branchen begünstigt wurde.
Singapur steuert die Geldpolitik über den Wechselkurs und nicht über Zinssätze. Dadurch kann sich die Landeswährung im Rahmen eines nicht offengelegten politischen Korridors aufwerten oder abwerten, um importierte Inflation einzudämmen.
Nach der Bekanntgabe des Beschlusses notierte der USD/SGD-Wechselkurs des Singapur-Dollars praktisch unverändert.