Die Wirtschaft Chinas wird aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten sechs bis neun Monaten an Schwung verlieren: Eine schwache Kreditnachfrage, eine anhaltende Krise auf dem Immobilienmarkt und die Verlangsamung der Exporte werden die Beschleunigung der öffentlichen Ausgaben überwiegen, so die Analysten von BCA Research.

Die wirtschaftliche Aktivität hat sich im zweiten Quartal deutlich verlangsamt, vor allem infolge nachlassender Investitionen und einer schwächeren Inlandsnachfrage. Es wird erwartet, dass die Behörden bei der Sitzung des Politbüros Ende Juli die bereits genehmigten Maßnahmen schneller umsetzen und nicht ein umfassendes Konjunkturpaket ankündigen.

Bis Ende Juni wurden erst 43% des Emissionskontingents für chinesische Staatsanleihen in Höhe von 11,9 Billionen Yuan ausgegeben; damit bleiben rund 6,8 Billionen Yuan für die zweite Jahreshälfte verfügbar. Weitere 800 Mrd. Yuan im Rahmen einer zweckgebundenen Finanzierung sollen die Ausgaben für Infrastruktur der Künstlichen Intelligenz, fortgeschrittene Fertigung und Energienetze unterstützen.

Die finanzielle Lage der lokalen Gebietskörperschaften bleibt weiterhin ein bremsender Faktor. In den ersten fünf Monaten 2026 sind die Einnahmen aus dem Verkauf von Grundstücken um fast 30% zurückgegangen, was das Risiko von Unterausführungen bei den Haushaltsausgaben erhöht.

Die Geldpolitik dürfte laut Prognosen ebenfalls unverändert bleiben: In diesem Jahr werden weder Zinssenkungen noch Senkungen der Mindestreserveanforderungen erwartet. Ein schwaches Kreditwachstum spiegelt eine begrenzte Nachfrage nach Krediten wider, nicht einen Mangel an Liquidität; zugleich begrenzt die rekordniedrige Bankenmarge die Möglichkeiten der Zentralbank, die Zinsen zu senken.

Der Export soll das Wachstum weiter stützen, doch sein Beitrag dürfte nachlassen, wenn sich die weltweiten Produktionsaufträge abschwächen und die Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge, Batterien und andere strategische Güter steigen.

Investitionen in Immobilien werden voraussichtlich das gesamte Jahr 2026 über negativ bleiben. In mehreren großen Städten haben sich die Preise zwar stabilisiert, doch hohe Wohnungsbestände, schwache Bilanzen der Bauträger und zurückhaltende Erwartungen der Haushalte an die Einkommensentwicklung begrenzen die Erholungsaussichten des Markts im ganzen Land.

Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in China eröffnet optimistischere Perspektiven. Das Kimi-K3-Modell des Unternehmens Moonshot AI belegt den verfügbaren Angaben zufolge weltweit den dritten Platz, und die führenden chinesischen Modelle sind 40–70% günstiger als vergleichbare US-amerikanische Pendants. Sinkende Rechenkosten könnten sowohl Cloud-Provider als auch Entwickler von KI-gestützten Anwendungen unterstützen und zugleich die Margen der Modellschöpfer verringern.

Die Anlageposition geht von einer Übergewichtung von Aktien der Kategorie A in Portfolios für Schwellenländer und in globalen Portfolios mit einem Zeithorizont von sechs bis zwölf Monaten aus; dennoch wird davon abgeraten, bei den aktuellen Bewertungen aufzustocken. Chinesische Aktien im Offshore-Markt behalten den neutralen Status, und das Währungspaar USD/CNY dürfte sich laut Prognosen bis Ende des Jahres in einer Spanne von 6,70–6,85 bewegen.

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