Der Markt ist extrem kurzsichtig: Sobald man sieht, dass bei Google der Cashflow negativ ist, gerät man in Panik und verkauft, um die Erwartungen an eine Kehrtwende zu befeuern. Aber anhand der Struktur der Kapitalausgaben gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen dieser „Geldverbrennung“ und dem gleichförmigen Verbrennen in früheren Internet-Blasen. Dafür gibt es drei Gründe.

1. Die Unit-Economics im Cloud-Geschäft verbessern sich bereits
Im Q2 lag der operative Gewinn von Googles Cloud bei 8,8 Milliarden US-Dollar; die operative Marge stieg von 20,7 % im Vorjahreszeitraum auf 35,6 %. Das bedeutet: Mit jedem zusätzlichen verdienten 1 US-Dollar Cloud-Umsatz steigt der Grenzgewinn schnell. Sobald die Fixkosten für die KI-Infrastruktur auf mehrere Umsätze verteilt sind, ist die Gewinnelastizität des Cloud-Geschäfts sehr hoch – genau der Weg, den AWS in den Jahren 2018 bis 2020 gegangen ist.

2. Strukturelle Unterschiede bei den Capex
Von den 44,9 Milliarden US-Dollar Capex von Alphabet fließt ein großer Teil in selbst entwickelte TPU-Chips und Rechenzentren – nicht nur in reine Miete oder Outsourcing. Die langfristigen Grenzkosten von selbst entwickelter Hardware sind deutlich niedriger als bei der Beschaffung von NVIDIA-GPUs – das ist der Wandel von „Mieten“ zu „Besitzen“; der Burggraben ist physischer Natur.

3. Die vier großen Cloud-Anbieter in den USA graben „gleichzeitig einen Graben“
Amazon, Microsoft, Meta und Alphabet werden zusammen bis 2026 rund 725 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Das bedeutet, dass die Einstiegshürde für neue Wettbewerber auf die Größenordnung von mehreren Hundert Milliarden US-Dollar angehoben wird – das ist kein „Burggraben“, sondern ein „Meeresburggraben“.

Die Reaktion des Marktes bewertet im Grunde nur kurzfristig „Bauzeit und Kosten“, nicht aber das finale Ende. Eine übertriebene Reaktion geht oft mit irrationaler Abwärtsstimmung einher – und genau dann ist meist der beste Zeitpunkt zum Aufbau der Position.