Die Beobachtung hebt ein reales Phänomen hervor, aber die Schlussfolgerung („das Signal hat noch nie falsch gelegen“) ist stärker, als die vorliegenden Belege es hergeben.

So ist das zu interpretieren:

Margin-Debt ist Geld, das Anleger bei Brokern aufnehmen, um Aktien zu kaufen. Steigende Margin-Schulden bedeuten meist, dass Anleger optimistischer werden und bereit sind, mehr Risiko einzugehen.

Ein Rekord von 1,4 Billionen US-Dollar an Margin-Schulden und ein Wachstum von rund 55 % im Jahresvergleich deuten auf einen stark gehebelt finanzierten Markt hin. Das erhöht die Verwundbarkeit, falls die Aktienkurse zu fallen beginnen.

Historisch gesehen gingen schnelle Anstiege der Margin-Schulden großen Abschwüngen voraus:

Dotcom-Blase (2000)

Globale Finanzkrise (2007)

Der Markt-Höhepunkt Ende 2021 vor dem Bärenmarkt 2022.

Allerdings gibt es wichtige Einschränkungen:

Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Margin-Schulden steigen tendenziell, weil die Aktienkurse bereits steigen. Starke Bullenmärkte fördern von Natur aus mehr Kreditaufnahme.

Der Zeitpunkt ist unzuverlässig. Märkte können sich noch Monate oder sogar Jahre weiter nach oben bewegen, nachdem die Verschuldung extreme Werte erreicht hat. Deshalb sagen Trader oft, dass Margin-Debt ein schlechtes Timing-Indikator ist.

Auch die Wirtschaft spielt eine Rolle. Ob sich tatsächlich ein Bärenmarkt entwickelt, hängt von anderen Faktoren ab, etwa den Unternehmensgewinnen, den Zinsen, der Inflation, der Liquidität und dem Wirtschaftswachstum – nicht von Margin-Schulden allein.

Daher dürfte die letzte Zeile der Aussage am treffendsten sein:

„Das Signal hat noch nie falsch gelegen. Das Timing war immer falsch.“

Auch das ist etwas überzeichnet. Besser wäre es so zu formulieren:

Außergewöhnlich hohe Margin-Schulden sind eine Warnung, dass das Marktrisiko erhöht ist, und dass Korrekturen umso schädigender werden können, wenn ein Auslöser auftritt. Sie sagt jedoch nicht zuverlässig voraus, wann ein Markthoch erreicht wird.

Mit anderen Worten: Rekord-Margin-Schulden sind am besten als Risikohinweis zu verstehen, nicht als Werkzeug zur Markttiming-Prognose.

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