In über einem Jahrhundert Unternehmensgeschichte hat Sixt den Weg von einem bescheidenen deutschen Autovermieter zu einem internationalen Betreiber eines Mobilitätsökosystems zurückgelegt, wo neben traditionellem Carsharing auch Fahrdienste, Premium-Transfers, Auto-Abonnements, das Laden von Elektroautos und die Anmietung von Nutzfahrzeugen – alles in einer App – angeboten wird. Der Finanzdirektor von Sixt, Franz Weinberger, erklärte in einem Interview mit Oninvest, dass er heute das Wachstum des Geschäfts sichert, wie sich die Verschärfung der Situation im Nahen Osten auf das Unternehmen auswirkt und welche Vorteile ihm helfen, auf dem globalen Markt zu konkurrieren.
Was macht Sixt bekannt?
In Deutschland ist Sixt zum Synonym geworden: „Die Marke ist so tief in der deutschen Kultur verwurzelt, dass die Deutschen beim Diktieren von Buchstaben sagen: „S wie in Sixt“, ähnlich wie Amerikaner „X wie in Xerox“ sagen, schreibt die Branchenzeitschrift Automotive Fleet.
Sixt ist bekannt für eine breite Auswahl an Premiumfahrzeugen – BMW, Audi, Mercedes-Benz, Volvo Cars sowie Porsche und Maserati. Der Anteil der Premiumfahrzeuge in der Flotte des Unternehmens liegt bei etwa 58%. Dies ermöglicht es Sixt, höhere Preise zu verlangen und eine verbesserte Marge zu erzielen: Kunden sind bereit, mehr für exklusive Modelle und hohen Komfort zu zahlen.
Die Geschichte von Sixt begann 1912 mit drei Autos. Die großflächige Geschäftsentwicklung startete in den 1970ern, als die dritte Generation der Sixt-Familie unter der Leitung von Erich Sixt die Geschäfte übernahm. In den 1980ern wuchs das Unternehmen schnell auf dem heimischen deutschen Markt und setzte auf eine breite Präsenz an Flughäfen sowie die Zusammenarbeit mit Unternehmenskunden. 1986 ging Sixt an die Frankfurter Börse, und in den 90ern, nachdem die Führungspositionen in Deutschland gefestigt waren, begann die internationale Expansion.
In den letzten anderthalb Jahrzehnten hat sich Sixt zu einer vollwertigen Mobilitätsplattform entwickelt: Neben der Autovermietung entwickelt das Unternehmen Carsharing, die Vermietung von Lastwagen und Transportern, das Laden von Elektrofahrzeugen und Fahrzeugabonnements. Heute umfasst das Sixt-Netzwerk etwa 2300 Standorte weltweit – etwa 200 mehr als im Vorjahr.
— Sixt bleibt ein Familienunternehmen: Die Holdinggesellschaft der Sixt-Familie – Erich Sixt Vermögensverwaltung GmbH – besitzt 58,3% der Anteile der Gruppe. Erich Sixt selbst ist seit 2021 Vorsitzender des Aufsichtsrats des Unternehmens, und die Co-CEO-Positionen teilen sich seine Söhne – Alexander Sixt und Konstantin Sixt. Wie beeinflusst der Status des Familienunternehmens das Geschäft?
— Die familiäre Eigentumsform erlaubt es uns, in Generationen und nicht nur in Quartalsberichten zu denken. Das spiegelt sich in unserer konservativen Bilanzmanagement-Philosophie wider: Die Eigenkapitalquote liegt bei etwa 30%. Wir halten bewusst einen kompakten und diszipliniert geführten Fuhrpark.
— Im Jahr 2025 berichtete SIXT von einem Umsatzwachstum von etwa 9% – auf 4,3 Milliarden Euro – und einem fast 20%igen Gewinnwachstum. Wie hat sich das Geschäft im ersten Quartal 2026 entwickelt?
— Wir hatten ein Rekord-Q1: Der Umsatz betrug 929 Millionen Euro – das ist bereits das 19. aufeinanderfolgende Rekordquartal, und zum ersten Mal überstieg der Wert die 900-Millionen-Euro-Marke. Der Umsatz stieg um 12,6% in konstanter Währung (also ohne die Auswirkungen von Wechselkursänderungen). Dabei wurde der Gewinn vor Steuern positiv und erreichte 2,1 Millionen Euro im Vergleich zu einem Verlust von 17,6 Millionen Euro im Vorjahr. Das bedeutet eine Verbesserung des Ergebnisses um etwa 20 Millionen Euro im saisonal schwächsten Quartal des Jahres.
Europa (ohne Deutschland) wuchs um mehr als 16%, Deutschland um fast 12%, Nordamerika um etwa 9% in lokaler Währung.
Die Haupttreiber des Wachstums sind konsequente Investitionen in die Markenentwicklung, das neue Treueprogramm Sixt One, das internationale Netzwerk und die technologische Plattform des Unternehmens sowie ein strenger Ansatz zur Planung der Flotte, was es ermöglicht hat, die Auslastung zu erhöhen.
— Wie beeinflusst der aktuelle Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Nachfrage und die operativen Tätigkeiten, und welcher Anteil des Geschäfts ist mit dem Nahen Osten verbunden? Habt ihr eure Prognose für 2026 beibehalten?
— Wir erwarten nach wie vor, dass der Umsatz der Gruppe im Jahr 2026 zwischen 4,45 und 4,6 Milliarden Euro liegen wird, und die Gewinnmarge vor Steuern wird voraussichtlich bei etwa 10% für das gesamte Jahr liegen. Natürlich hat sich die makroökonomische und geopolitische Unsicherheit durch den Konflikt im Nahen Osten verstärkt.
In den betroffenen Konfliktländern arbeiten wir ausschließlich über Franchise-Partner. Daher ist der direkte finanzielle Einfluss auf das Niveau der Gruppe vergleichsweise gering. Ein viel wichtigerer Faktor ist der indirekte Rückgang der Nachfrage von diesen Quellmärkten. Lassen wir uns überraschen, wie sich die Situation im für uns wichtigen Sommer entwickelt, und ob dies beispielsweise die stärkere touristische Nachfrage innerhalb Europas ausgleichen kann.
— Hohe Spritpreise und Inflation können die Nachfrage verringern – wie managt ihr diese Risiken?
— Normalerweise buchen die Kunden das Fahrzeug nur wenige Tage oder Wochen vor Beginn der Miete. Wir managen diese Unsicherheit, indem wir einen kompakten Fuhrpark aufrechterhalten, dessen Größe unter dem aktuellen Bedarf bleibt, und dass die Lebensdauer der Fahrzeuge in der Flotte deutlich weniger als ein Jahr beträgt. Das ermöglicht es uns, die Struktur des Fuhrparks schnell an das tatsächliche Nachfragelevel anzupassen.
— Was sind die Unterschiede zwischen eurem Geschäft in Europa und Nordamerika?
— Der wichtigste Unterschied liegt in der Risikostruktur der Flotte: In Europa sind über 90% der Flotte „risikofrei“ aufgrund von Rückkaufvereinbarungen mit den Herstellern. Der US-Markt ist strukturell risikoreicher, da amerikanische Automobilhersteller kein solches Händlernetz haben. Ein weiteres wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die Marktgereiftheit: In Deutschland liegt unser Marktanteil bei etwa 40%; in ganz Europa bei etwa 18%; und in den USA nur bei etwa 3,5%. Deshalb bleibt Nordamerika für uns der wichtigste Wachstumsmarkt.
— Ihre Werbung ist seit langem für ihren mutigen und manchmal provokanten Stil bekannt, einschließlich politischem Humor. In letzter Zeit scheint sie jedoch zurückhaltender zu sein. Was steckt hinter dieser Veränderung?
— Tatsächlich würde ich die Frage selbst anfechten. Der Charakter unserer Marke – lustig, mutig und premium – hat sich überhaupt nicht verändert. Unser Social-Media-Team behält stets die aktuellen Ereignisse im Auge und ist bereit, schnell in unserem charakteristischen ironischen Stil zu reagieren – aber nur, wenn es wirklich zu unserer Marke und unseren Produkten passt. Das betrifft sowohl virale Internet-Trends als auch politische Themen.
Ein aktuelles Beispiel: Als Kanzler Friedrich Merz ins mediale Rampenlicht trat, veröffentlichten wir ein Foto des Mercedes-AMG SL63 mit der Bildunterschrift: „So poliert man sein Image auf“.