Ich habe mir hier eines der Szenarien ausgedacht, das Trump und die Leute hinter ihm ausspielen könnten. Die Idee ist, dass es für ihn von Vorteil sein könnte, die Meerenge in so einer Situation geschlossen zu halten.
1. Technische Grundlage: „Das perfekte Puzzle“
In den USA sind Raffinerien zur Verarbeitung von schwerem Erdöl ausgelegt, während es in den USA einen einzigartigen Ungleichgewicht gibt:
* Schieferöl der USA: Es ist „leicht“ und „süß“ (wenig Schwefel).
* Raffinerien im mexikanischen Golf: Viele von ihnen wurden über Jahrzehnte hinweg genau für „schweres“ und „saures“ (hohlschwefliges) Öl gebaut, das traditionell von Venezuela, Mexiko und Kanada geliefert wurde.
* Venezolanisches Öl: Das ist genau das „schwere“ Öl, das perfekt für die US-Raffinerien geeignet ist.
Wenn Trump (oder ein anderer Präsident) einen stabilen Zufluss venezolanischen Öls in die USA sicherstellt, können amerikanische Raffinerien mit voller Kapazität arbeiten und günstigen Diesel und Benzin herstellen, ohne teures Öl am anderen Ende der Welt einkaufen zu müssen.
2. Das Szenario „Künstliche Krise“
Damit dieser Plan zur „Senkung der Preise ausschließlich für die USA“ funktioniert, könnte der Algorithmus so aussehen:
* Schritt 1: Globales Defizit. Durch Sanktionen gegen andere Akteure (z. B. Iran) oder Beschränkungen für OPEC+ oder durch geopolitische Spannungen werden die weltweiten Ölpreise nach oben getrieben.
* Schritt 2: „Venezolanischer Anschluss“. Die USA verhandeln mit einer neuen (oder sehr willfährigen alten) Regierung in Venezuela darüber, dass deren Öl nur in die USA fließt – im Gegenzug für Investitionen und Schutz.
* Schritt 3: Geschlossener Kreislauf. Die USA mischen ihr leichtes Öl mit dem venezolanischen schweren, verarbeiten es bei sich selbst und sorgen so vollständig für den Inlandsmarkt.
3. Kann man den US-Markt „vom Weltmarkt abkoppeln“?
Hier fangen die größten Schwierigkeiten an. Öl ist ein global gehandeltes Börsengut (Commodity).
* Arbitrage: Wenn Öl in der Welt 120 $ kostet, aber in den USA versucht wird, es künstlich bei 60 $ zu halten, werden amerikanische Privatunternehmen (Exxon, Chevron u. a.) alles tun, um dieses Öl auszuführen und im Ausland für 120 $ zu verkaufen. Damit das nicht passiert, müsste die Regierung ein Exportverbot einführen (wie es in den USA vor 2015 der Fall war).
* Privateigentum: Im Gegensatz zu Saudi-Arabien gehört Öl in den USA nicht dem Staat. Der Präsident kann die Unternehmen nicht einfach anweisen, „billiger zu verkaufen“. Er müsste entweder die Differenz aus dem Haushalt subventionieren oder eine strenge staatliche Regulierung einführen.
* Logistischer Bruch: Damit die Preise in den USA unter denen des Weltmarkts liegen, muss man einen Ölüberschuss innerhalb des Landes schaffen, der sich nicht ausführen lässt. Das würde eine „Preisblase“ innerhalb der USA erzeugen.
4. Die realen Risiken eines solchen Plans
* Zorn der Verbündeten: Wenn die USA eine weltweite Krise herbeiführen, um selbst günstig einkaufen zu können, würde das die Beziehungen zu Europa und Asien zerstören.
* Investitionshunger: Wenn man die Preise innerhalb der USA künstlich niedrig hält, lohnt es sich für amerikanische Schieferöl-Unternehmen nicht mehr, neue Bohrlöcher zu erschließen (ihre Gestehungskosten sind ziemlich hoch). Sie könnten einfach pleitegehen.
* Inflation in der Welt: Hohe Ölpreise in der Welt treffen die USA trotzdem indirekt – über die Kosten importierter Waren, die Logistik und Flugreisen.
Fazit
Der Plan „Venezolanisches Schweröl + US-Raffinerien = günstiger Benzinpreis für Amerikaner“ ist ein strategischer Trumpf, den Trump tatsächlich versuchen könnte auszuspielen. Das würde es den USA ermöglichen, weniger abhängig von OPEC zu sein.
Allerdings ist es extrem schwierig, „eine Insel mit billigem Öl“ inmitten des tobenden Ozeans der Weltkrise zu schaffen, ohne zu einer strengen Planwirtschaft zurückzukehren und ein Exportverbot einzuführen – was im Widerspruch zu den Grundsätzen des freien Marktes steht, die Trump normalerweise proklamiert.