Lin Shen ist ein frustrierter Spielegrafiker. In der stürmischen Nacht reparierte er das verlassene Pixelspiel (Spiegelstadt), und seine Fingerspitzen durchdrangen tatsächlich den Computerbildschirm und berührten die kalten, realen Schieferplatten.
Nur einen Augenblick später steht er in der Welt von (Spiegelstadt). Keine Erinnerungsnachrichten zur Miete, keine endlosen Arbeiten, nur die stillstehende, hölzerne Galerie, der immer trübe Nachmittag, selbst in der Luft schwebt ein Gefühl der Ruhe. Hier bleibt die Zeit stehen, ohne Hunger und Müdigkeit, es wird zu seinem Rückzugsort von der Realität, und er betritt es häufig, versinkt darin.
Bis zum neunundneunzigsten Tag fand er tief im Glockenturm ein vergilbtes Tagebuch und erfuhr, dass Spiegelstadt das verzweifelte Werk der Entwicklerin Su Wan war. Su Wan litt seit ihrer Kindheit an einer unheilbaren Krankheit, und die Schaffung von Spiegelstadt war ursprünglich dazu gedacht, den Qualen der Krankheit zu entkommen. Doch unerwartet wurde diese Welt zu einem Gefängnis der Empathie – sie verstärkt die negativen Emotionen der Eindringlinge, verführt mit Bequemlichkeit, und bleibt man länger als hundert Tage, wird die Seele für immer gefangen bleiben und zum Nährboden der Welt werden. Die letzte Zeile im Tagebuch war hastig geschrieben: „Es wartet auf die nächste Person, es hat Hunger.“
Lin Shen lief panisch zum Ausgang, wurde jedoch vom schwarzen Nebel aufgehalten, die Spiegelstadt begann zu zerfallen, schwarze Ranken wickelten sich wild um ihn. Im Nebel erschien langsam Su Wan in einem hellen Kleid, ihr Gesicht war blass, ihre Augen leer, sie war seit zehn Jahren gefangen und sprach mit einer Stimme voller Taubheit: "Die Realität ist nur Schmerz, bleib hier, es wird niemals weh tun."
Lin Shen sah das Verlangen, das tief in ihren Augen verborgen war, und sein Herz zog sich zusammen. Er verstand Su Wans Verzweiflung, wusste aber auch, dass das Leben mit Schmerz und Leid wirklich lebendig ist. Er kämpfte sich los von den Ranken und stürmte verzweifelt zurück in die Realität, doch als er auf den schwarzen Bildschirm des Computers schaute, konnte er Su Wan nicht allein zurücklassen.
In den nächsten zwei Wochen durchforstete er die von Su Wan hinterlassenen Codes und Notizen und entschlüsselte schließlich das Geheimnis: Es war nicht die Spiegelstadt, die Su Wan gefangen hielt, sondern ihre eigene Angst vor der Krankheit, und der Schlüssel zum Durchbrechen des Käfigs war die Menschlichkeit, die die Spiegelstadt nicht reproduzieren konnte.
Er malte die entschlüsselten Gedanken auf das Papier, fügte Su Wans Lieblingsblumen, die kleinen Gänseblümchen, hinzu und schrieb herzerwärmende Worte, bevor er wieder in die Spiegelstadt trat. Diesmal war der schwarze Nebel dichter, das Heulen war ohrenbetäubend, die Ranken hielten ihn fest, doch er hielt das Papier fest und erinnerte sich an heißen Sojabohnenmilch, den Speck aus seiner Heimat und die Sonnenstrahlen auf der Leinwand; die zarte Wärme ließ das Papier in warmem Licht erstrahlen, wo immer es hinging, schmolz der schwarze Nebel vollständig.
Unter den Ruinen des Glockenturms ist Su Wan mit dicken Ranken festgebunden und murmelt über die Qualen ihrer Krankheit. Lin Shen tritt langsam näher, legt das Papier auf ihr Herz und spricht leise von dem Licht und der Wärme der Realität. Die seit zehn Jahren versiegelte Verzweiflung wird von der Wärme zerschlagen, Su Wan öffnet langsam die Augen und nickt tränenüberströmt.
In einem Moment brach der Kern der Spiegelstadt zusammen, der schwarze Nebel verschwand, und das Sonnenlicht durchdrang den grauen Himmel, erleuchtete die gesamte Stadt. Lin Shen hielt Su Wans Hand und ging Schulter an Schulter auf das schwache Licht zu, das in die Realität führte, während die Spiegelstadt hinter ihnen allmählich in Lichtpunkte zerfiel.
Zurück in der Mietwohnung, der Computer ist komplett schwarz, Su Wan sitzt an seiner Seite, mit echter Wärme und Herzschlag. Sie schaut aus dem Fenster auf das Licht der Morgendämmerung und sagt mit zitternder Stimme: "So ist das Licht der Realität, so warm."
Lin Shen lächelte, sie waren alle aus dem virtuellen Käfig herausgekommen. Es stellte sich heraus, dass wahre Erlösung nie ein Ausweichen vor den Schwierigkeiten der Realität war, sondern das direkte Konfrontieren der Widrigkeiten des Lebens und dennoch jede Lichtstrahle der echten Welt zu umarmen.

